Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 4 (April 1855)
- Date
- 1855-04-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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128 Die verschiedenen Auffassungsweisen d. jüdischen Alterthums ehre in Anspruch. JedeS Volk sei von Hochachtung gegen seine Vergangenheit erfüllt und halte die Erinnerungen seiner Geschichte in hohen Ehren. Kein Volk aber besitze eine so große Geschichte, als daS jüdische und keines wisse einer solchen Vergangenheit sich zu rühmen, als das jüdische Volk. Um so mehr müsse dieses die Kenntniß seines Alterthums mit Liebe pflegen und für das gedeihliche Emporkommen einer Wissenschast des Zudenthums, die viele Jahrhunderte vernachlässigt und fast nur von fremden Händen gepflegt worden, es jetzt nicht an Opfer und Begeisterung fehlen lassen. Allein auf diesem Standpunkt ist das Interesse für daS jüdische Alterthum lediglich ein rein wissenschaftliches, für die Bekenner des Zudenthums allenfalls auch ein nationales, aber in keinem Falle ein religiöses, die Liebe zur jüdischen Vergangenheit wohl eine intelleetuelle, historisch-nationale, aber keine religiöse. Man sammelt Bausteine und Materialien für den Aufbau *einer jüdischen Wissenschaft, aber nicht für den Aufbau des Zudenthums. Viele der Männer, die für jene begeistert, sind für dieses völlig gleichgültig. Ob die alten Institutionen wieder erstehen sollen, wie die Einen sich danach sehnen, oder ob sie auf solche nationale Wiedergeburt für immer verzichten müssen, wie die Anderen behaupten, diese Frage gehört nicht in den Kreis ihrer Erwägungen. Nur die Kenmniß des AltenhumS, nur die Wissenschaft des Zudenthums in dem engsten Kreis der gelehrten Forscher zu fördern, bildet den ausschließlichen Gegenstand ihreS Interesses. Nicht einmal die innerliche Theilnahme des Volkes an dieser Kenntniß, an dieser Wissenschaft, sondern die äußere Beteiligung desselben an ihrer Förderung durch materielle Unterstützung wird verlangt. Darum ist diese Betrachtungsweise, wenngleich in der Mitte zwischen den beiden Ernemen der Vergötterung und Verachtung stehend, doch nicht geeignet, die verschiedenen Ansichten zu vermitteln und muß gegen beide einen gleich erfolglosen Kampf führen. Sie steht in der Mitte zwischen den ertremen Ansichten ohne deren Mittelpunkt zu sein; sie stößt beide gleich weit ab, zieht sie nicht an. Sie entbehrt der Kraft und der Stärke, den Geist und daS Gemüth der jüdischen Bekenner