Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 3 (März 1855)
- Date
- 1855-03-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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58. Zur jüdischen Geschichte, a„S der Schweiz. Die Schweiz, das Land der Merkwürdigkeiten im Herzen Europas, bewunderungswürdig durch seine mannigfaltigen und großartigen Naturscenen, durch seine über Wolken sich erhebenden hohen Berge, deren Firnen mit majestätisch silbernem Glänze durch die Gauen prangen und auf das Auge so bezaubernd wirken: merkwürdig durch seine Flüsse und Ströme, die hier in den krystallenen Eiskammern ihre Wiege haben, von wo sie hinab in die heimathlichen Thäler ziehen und von dort hinaus nach Osten und Westen, nach Süden und Norden Pilgern, um auf ihrer Wanderung reichen Segen zu verbreiten; merkwürdig durch seine Ritterburgen und Schlösser, durch seine Ruinen und Trümmer aus der mittelalterlichen und römischen Zeit: das Land der heldenmüthigsten und herrlichsten Charaktere, die sich in den vielfältigsten Freiheitskämpfen, sowie in andern großartigen Werken hervorgethan; das fast keine Spanne Boden besitzt, der nicht durch irgend ein geschichtliches Ereigniß klassisch geworden, dieses Land dürfte auch in Beziehung der Geschichte der Juden die Aufmerksamkeit des Geschichtsfreundes auf sich ziehen. — Johann Kasper Ulrich, Pfarrer zu Frauenmünster in Zürich, hat sich im vorigen Jahrhundert mit diesem Gegenstande befaßt und^nno 1770 „eineSammlung jüdischer Geschickten, welche sich mit diesem Volk in dem XIII. und folgenden Jahrhunderten bis auf 1767 in der Schweiz zugetragen" herausgegeben. Es enthalt dieses Werk eine Zusammenstellung der von dem Verfasser und seinen Freunden aufgefundenen Urkunden über Juden, welchen von dem Verfasser viele Raisonnements beigegeben sind : über Juden, jüdische Gebräuche und Sitten, die zwar von pietistischem Standpunkte ausgehen, in denen aber dennoch die humane Gesinnung des Verfassers nicht zu verkennen ist, die sicherlich viel deutlicher und vorurtheilsfreier hervorgetreten wäre, wenn der gute Ulrich nicht auch bei Schudt und Eisenmenger in die Schule gegangen sein würde. Nach einem Citate Ulrichs auS GulerS Geschichte pax. 28 sollen schon nach der Belagerung Jerusalems »etliche Juden durch diesen Anlaß in daS helvetische Land gekommen sein und sich daselbst niedergelassen haben." Wenn auch diese Vermuthung durch keinerlei Thatsache oder Urkunde belegt werden kann, so ist es