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Der israelitische Volkslehrer · 1855-03-01 · Heft 3 (März 1855) · page 20

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 3 (März 1855)
Date
1855-03-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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104 Die Aaralten in der Krim. than zu haben, und begaben sich, ihre Kinder an der Hand — aber keiner seine Frau am Arme — nach Hause. Man sagte mir. daß die Karaiten sich bei'm Gebete nach der Seite wenden, die derjenigen entgegengesetzt ist. nach welcher die Juden sich kehren. DaS würde eine ziemlich starke Abneigung gegen ihre ehemaligen Brüder an den Tag legen*). „Auf den MesstaS hofft Ihr doch aber auch?" fragte ich einen Karalten, der mir in Odessa vor seiner mit persischen und türkischen Seidenwaaren gefüllten Bude eine Lehrstunde über seine Secte gab. — „Ach, ja wohl, wir erwarten ihn immerfort, Tag und Nacht. Er kann in wenigen Tagen kommen, vielleicht morgen schon oder gar heute. Ja, es kann sein, daß er schon da ist und wir es nur nicht wissen." — „Morgen?" sagte, sich einmischend, eine alte Talmudistenfrau, die neben der Thüre des Karaiten ihr Tischchen mit einer kleinen Nadel-, Zwirn- und Bandniederlage hatte, „wenn der Messias morgen**) käme, juchhe! so würde ich ihm all' mein Essen geben." — „Nun, Alte," bemerkte ich, »der wird Dein Essen wohl nicht nöthig haben." — „Nein, der hat nichts nöthig," sagte der Karait, „er wird uns ja Alles geben müssen, was wir bedürfen." — »Ach, großer Gott, da wird er mir viel geben müssen!" seufzte die arme Frau. — „Wird er Euch denn aber auch Frieden geben, und Freundschaft unter Euch Djuffut und Karalten stiften?***) — Auf diese meine Frage antworteten sie mir Beide nichts, die Unversöhnlichen! 5) Nicht so sehr. Man muß nur nach dem Grunde forschen. 'Die Jude» wenden sich beim Gebete nach der Seite hin, wo Jerusalem liegt. Da nun Palästina ziemlich in Einem Längengrade mit der Krim und zwar südlich von derselben liegt, so ist es schon erklärlich, wenn die Karaiten sich bei'm Gebete nach Süden wenden, während wir nach Osten, beide aber nach demselben Orte. DaS „entgegengesetzt" dürfte nickt so buchstäblich zu nehmen sein. Anm. d. Red. **) Der morgende Tag war ein Sabbath. Auch hierauf haben wir eine Antwort. Der Stifter der christlichen Religion hat seineu Beruf als Messias mit den Worten angekündigt, er sei nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwerdt. — Der MesfiaS, welchen Israel erwartet, wird nicht eher kommen, als bis die Menschheit erleuchtet und vorbereitet sein wird, das Schwerdt zu beseitigen und den Frieden überall zum Herrn der Welt zu machen. Dann wird man mcht mehr darüber streiten. Wer besser sei: Juv oder Christ, Djuffut oder Karait; Formen nnd Dogmen werden keine Scheidewand mehr bil- 5l"iu5ige Gott wird sein liebendes Vaterantlitz in einer eini-?.^.^?schh"t splegeln - In dieser Hoffnung ist gewiß der trefstiche Reiseude mtt uns nnverstanden. — ' Anmerk d Red

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