Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 3 (März 1855)
- Date
- 1855-03-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Kararten in der Krim. Dieser, bald Jener, bald ein Alter mit zitternder'Stimme, bald ein ganz knabenjunges Blut mit mädchenhasten Tönen, bald ein armer kranker Blinder, der den Tert auswendig wußte, dann Einer mit einem tiefdurchdringenden Baß, dann wieder nn ganz Bescheidener, Schüchterner, aus entlegenem Winkel kaum hörbar. Dann und wann repetirte und sang der wie ein Beduine von oben bis unten in weißes Gewand gehüllte Priester der sich während des ganzen Gottesdienstes nur von hinten zeigte, und knieend, stehend oder niedergeworfen, stumm oder singend sein Gesicht dem heiligen Gesetzesschrein zugewendet hielt. Der Gottesdienst sollte an diesem so heiligen Tage den ganzen Tag dauern, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, und gefastet hatten Alle schon seit dem letzten Sonnenuntergänge. Da die Synagoge für die kleine Gemeinde geräumig genug war, so hatten sich auf den Teppichen Gruppen gebildet, in denen sich das Gleiche zusammenpaarte**). In dem einen Viertel lag ein Dutzend junger schwarzäugiger Burschen beisammen, in dem anderen hatten sich mehr die Alten und Wohlhabenden hingekauert. Am gefälligsten waren die Gruppen, welche einige Bäte? mit ihren seidenstoffigen Söhnchen bildeten. Wie die Türken und Tataren, lieben auch die AaraZten ihre Söhne unendlich; sie kosen und scherzen beständig mit ihnen, selbst in der Synagoge***). Die kleinen hübschen Jungen schienen sich auf den bunten Teppichen recht wohl zu gefallen, legten die Köpfchen auf den Schooß ihrer Väter und schmeichelten ihnen. Der Vater, zu Zeiten sein Buch bei Seite legend, lächelte ihnen zu, verwies sie sanft zur Ruhe, wenn sie es zu arg machten, und küßte sie häusig. Manche dieser Kleinen, die ebenfalls schon seit achtzehn Stunden gefastet hatten (?), waren ihren Vätern vor Müdigkeit im Schooße eingeschlafen, und diese fuhren fort, Gottes Wort über dem Haupte ihrer schlummernden Kinder zu lesen. Als die Sonne sank, drängten sich Alle noch eifrig zum Fenster, und die Hintermänner hielten ihre Bücher über den Köpfen der Vorderen hinweg, um noch die letzten Strahlen des scheidenden Gestirns azlf ihre Schriftzüge fallen zu lassen und sie in den letzten Schlußgesängen deS Tages wieder von sich zu strömen. Erst als aller Lichtstoff aus den Räumen verschwunden war, hielten sie dafür, dem Gesetze genug ge- *) Wohl der Vorbeter^ D. R ed. wird bei dieser Schilderung des malerischen ZusammenfitzenS so wie des vorhergehenden SingenS vom Platze aus unwillkührlich an die frühere Begehung unserer risekan-deadd-Feier erinnert. Aum. d. Red. Konnte der Herr Verfasser in gleich liebenswürdig unschicklicher Weise bei de» de utscyeu Juden wahrnehmen. D. Red. 8*