Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 3 (März 1855)
- Date
- 1855-03-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Karalten in der Krim. mit Perlen hinein gestickt, von denen man mir sagte, daß sie Sprüche aus der Bibel seien. Bei den Verheirateten windet sich das rabenschwarze Haar in einer dicken Flechte. um den untern Rand dcs Feß herum, bei den Unverheiratheten aber fällt dasselbe in einer Anzahl dünner, höchst zierlicher, sämmtlich gleich langer Flechten herab, die wie Fransen rund um den Kopf hängen, was denn freilich mehr sonderbar als hübsch aussieht. Ich zählte-gewöhnlich, so viel mir die Flüchtigkeit der Mädchen zu zählen gestattete, 40 bis 50 Flechten. Man begreift nicht, woher die karattischen Mütter und Geschwister die Muße und Geschicklichkeit nehmen, ihren Töchtern und Schwestern mühsam so viele Zöpfchen, in deren Enden noch gewöhnlich hübsche Bändchen eingeflochten sind, anzudrechseln. Denn nehmen wir aucy im Durchschnitt den Zopf nur zu einer Elle Länge an, und geben wir einer Mutter auch nur vier Töchter, was dock nichts seltenes ist, so hat eine solche arme Frau nicht weniger als 200 Ellen zu siechten, waS denn bei der untadeligen Glätte und Kunst, mit der die Karaüischen Mädchenzöpfe geflochten werden, allein schon ein ganzes Tagewerk sein muß. Vielleicht erspart ihnen aber eben die Festigkeit jener zierlichen Zöpfe neue Arbeit, und die Haare werden wohl immer nur an Festtagen neu geflochten, indem sie während der Woche aushalten. Die Tracht der jungen Mädchen ähnelt der oben beschriebenen der Knaben. Die Matronen aber sind alle in den prunkendsten Sammet gekleidet. Das Unterkleid, das etwas kurz ist, besteht aus mit Gold gesticktem, purpurrothem Sammet, worüber ein weites, langes und auf dem Boden schleifendes Oberkleid von demselben Stoffe, und meistens von violetter Farbe, getragen wird. Dies Oberkleid ist vorn von oben bis unten offen und läßt unter schön dunkelnder violetter Bedeckung den Schimmer und das Feuer deS Unterkleides und des Busenschmuckes sehen. Was den letzteren betrifft, so wird hier am meisten der Reichthum und der Glanz der schönen Karaltinnen entfaltet. Die Reichen unter ihnen haben große Kränze und Gewinde von Goldstücken um den HalS geschlungen, die auf die Brust herabhängen. Ein paar Schnüre mit ganz kleinen türkischen Goldmünzen, ein paar mit holländischen Ducaten und zuletzt noch einige mit großen spanischen Dublonen oder türkischen Doppelzechinen befinden sich reihenweise über einander. Ihre Brust ist bis tief herab so stark mit solchen aufgereihten Goldstücken bedeckt, daß sie einen förmlichen Panzer bilden. Dicht um den HalS zieht sich noch ein Collier von Perlen, von dem über jenen Ducatenpanzer ein Perlennetz herabfällt, das seine n Glanz noch vermehrt. V. S