Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 3 (März 1855)
- Date
- 1855-03-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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K« Gespräche zwischen einem Rabbiner und einem Laien. (Von einem norddeutschen Rabbiner.) I. Stellung und Wirksamkeit heutiger Rabbiner. Laie. Ich sehe nicht ein, warum Sie immer so unzufrieden sind. Wer hat's denn besser als ein Rabbiner? Wir Geschäftsleute haben unsere schweren Sorgen, — der Rabbiner läßt seine Gemeinde für sich sorgen. Rabbiner. Den Rabbiner möcht' ich doch sehen, der ein sorgenfreies Leben hätte! Nicht wie der christliche Geistliche erhält er eine auskömmliche Besoldung, und seine Söhne erlangen keine Stipendien, seine Töchter — ohne Geld keine Männer... Und welcher Pastor wird fortwährend wie der Rabbiner belagen von einem Heere wandernder Bettler, stellenloser Lehrer, brodloser Chasanim und Schochtim, hungernder Autoren, die Alle des armen Rabbiners Zeit, Tisch und Geldbeutel in Anspruch nehmen und ihn fühlen lassen, wie sie „na nevack," und er sein „Aolu5" habe!... Und thun dem Rabbiner nicht auch die theuern Zeiten— wo er in wenig Gemeinden aus Gehaltszulage wie der christliche Beamte zu hoffen hat — und der Lurus unsrer Zeit sehr wehe? Er kann doch nicht mit seiner Familie, wie die Kinder Israel in der Wüste, vierzig Jahre lang ein Kleid tragen, nicht wie Mose vierzig Tage lang fasten, auch beim Schriftstellern nicht reich werden wie Mose an seinen zwei Tafehr. L. WaS den Lurus betrifft, so sollten ihm eben die Rabbiner zu steuern suchen, theils durch das Beispiel der Einfachheit in ihren Familien, theils durch ihre Predigten, in welchen sie fortwährend darauf hinzuweisen hätten, wie der übertriebene Aufwand zum Ruin führe, Neid und Haß gegen den Juden hervorrufe, und die Mittel der Leute so aussauge, daß wenig übrig bleibt für die bessere Besoldung der Cultusdiener und die gemeinnützigen Interessen des Zudenthums.