Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 3 (März 1855)
- Date
- 1855-03-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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über die Judenfrage. 9S daß die Nichtchristen, die eine Reihe geringerer Rechte nicht ha- 5-n, die von den meisten öffentlichen Rechten ausgeschlossen sind, -.l dem obersten Recht der Gesetzgebung Theil haben. Man hat im Jahre 1848 sie gewiß in der Ueberzcugung in das Wahlgesetz aufgenommen, daß sich sehr bald die vollständige Emancipation anreihen würde. Diese Voraussetzung ist nicht eingetreten, und wir haben, ich weiß nicht wie lange, keine Aussicht, daß eine Aendcrung eintreten werde. Die Stimmung im bayerischen Volke hierüber hat sich in den letzten Jahren so bestimmt, so entschieden ausgesprochen, daß ich glaube, man wird diese Frage der Zukunft überlassen müssen. Dem gegenüber fordert die politische Konsequenz nach diesen gegebenen Prämissen, daß im Wahlgesetze wieder auf das Verhältniß der früheren Zeit zurückgegangen werde. ES ist dieß also, wenn Sie wollen, eine Inkonsequenz, aber eine solche, zu der uns die Geschichte der gesetzgeberischen Thätigkeit der letzten Jahre mit Konsequenz gezwungen hat." Gewiß, diese ebenso unlogische als inhumane Beweisführung richtet sich selbst. Herr v. d. Pfordten wird von seinem eigenen Gewissen getrieben, seine große Jnconsequenz in dieser Frage wiederholt einzugestehen, und die versuchte Beschönigung steigert nur noch mehr den ihm gemachten Vorwurf. Zu sagen: „weil die Juden nicht Alles empfangen, sollen sie gar nichts haben," — gewiß, das ist ebenso wenig staatsklng, als klug überhaupt. Die rechte Konsequenz war gewiß diese, daß das Ministerium fortwährend auf die Jnconsequenz in Behandlung der Juden hingewiesen hätte, bis es der Konsequenz ihrer vollen Emancipation, welche es doch gewiß vor wenigen Jahren aus de^i Gefühle des Rechtes und der Billigkeit das Wort geredet, den Sieg verschafft haben würde. Die Kammer ließ sich deßhalb von jenen Sophismen nicht irre leiten, und hat in der speziellen Debatte, welche wir im nächsten Hefte vorführen werden, glorreich bewiesen, daß der Geist der Zeit die ewige Konsequenz des Rechtes und der Liebe in den Gemüthern der Zeitgenossen zum Siege zu bringen unabänderlich entschlossen sei. (Fortsetzung folgt.)