Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 3 (März 1855)
- Date
- 1855-03-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Bayerische Kammerverhandlungen tet, sie werden diesen Pflichten auch freiwillig nachkommen, es brauche keinen Zwang dazu. Andere haben dem widersprochen und ich möchte fast sagen, die Ansicht dieser ist durch den darauf erfolgten Kammerbeschluß gewissermaßen sanctionirt worden. Damals habe ich ganz lebendig daran gedacht, ob denn die Prinzipien, nach denen die Mitglieder der jüdischen ReligionSgesellschaften filhlen und handeln, um mich des Ausdrucks eines geehrten Redners, wie schon erwähnt, zu bedienen, so verschieden seien von dem, was man hier als Pflichten des guten Christen aufstellt." »Ich habe eS nicht finden können, im Gegentheil ich habe gefunden, daß die Vertreter der christlichen Prinzipien darüber uneinig waren, ob es bei Mitgliedern der privilegirten Kirchengesellschaften nothwendig sei, einen Zwang für die Pflicht einzuführen. Dieses wäre bei Juden nicht nöthig; der Jude übt freiwillig und tatsächlich das, waS als eine moralisch-christliche Pflicht geschildert wurde. Jeder, der Gelegenheit hat, sich um jüdische Verhältnisse zu kümmern, wird mir Recht geben. Überhaupt, meine Herren, mögen Religivnsgesellschaften noch so viele neben einander bestehen, sie leben alle untereinander. Alle die guten Eigenschaften der einen müssen nothwendig auf die andern einwirken, und ich habe die volle Ueberzeugung, und recht viele in diesem Saale werden sie mit mir theilen, daß zwischen einem guten Nichtjuden und einem guten Juden am Ende kein großer Unterschied sei. Wäre daS richtig, daß nichtsdestoweniger das Prinzip deS Christenthums sich auch in diesem wichtigen Gesetze aussprechen müsse, so würden wir zu endlosen Kämpfen und Resultate»; kommen. Sie müßten sich var Allem fragen: „Sind alle Christen gut? Ein schlechter Christ ist am Ende nicht besser, als ein schlechter Jude, und der soll hier sogar besser sein, als ein guter Jude!?" »E« gibt überhaupt verschiedene Religionsgesellschastcn auch im Christenhum. ES gibt verschiedene, von denen jede das Richtige zu haben glaubt. Sie alle streiten in Dogmen unter einander. Das wird so bleiben, so lange die Welt steht, aber ich würde eS eine Anmaßung nennen für eine Genossenschaft, wenn sie behauptete: „Wir haben allein daS Gute," und wenn sie in ihrer