Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 3 (März 1855)
- Date
- 1855-03-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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88 Bayerische KammerverhaudlungkN Manches ersetzt. Und so kam eS, daß die Leute nach und nach durch Uebung einen Marsch, den sie aus der in der nächsten Umgebung liegenden Stadt sich kommen ließen, so einüben konnten, daß man mit klingendem Spiele auf die Parade ziehen konnte. Diese Paraden und Ererzitien waren nun sehr häufig, und der Marsch wurde beim Herein- und Hinausziehen ununterbrochen gespielt. Und dieß wäre noch recht lange so geblieben, wenn nicht zufallig ein Oberlieutenant dieses Sandwehrbataillons, seines Zeichens ein ehrsamer Schuhmachermeister, krank geworden wäre. Da erinnerten sich nun die Leute an die Möglichkeit des Todes dieses Offiziers, und glaubten, es passe sich, doch nicht, ihn mit diesem gewöhnlichen lustigen Marsch zu begraben. Man mußte also rechtzeitig für einen Trauermarsch sorgen. Man ließ auch diesen herbeikommen, um ihn rechtzeitig einzuüben. Das geschah, und wirklich war der Oberlieutenant so einsichtsvoll, noch vierzehn Tage zu leben, bis die Leute den Trauermarsch möglichst gut eingeübt hatten. Dabei hatte er jedoch ein kleines Unglück. Das Lokal, wo diese Musik eingeübt wurde, war in Ermangelung eines anderen das Schulzimmer des Städtchens, und der Oberlieutenant wohnte neben diesem Lokale. Wie er nun die ersten Trauertöne hörte, fragte er, was denn los sei, und man sagte zn seiner Beruhigung, Alles das geschehe nur ihm zu Ehren und für den Fall seines Todes, und so hat der Mann vierzehn Tage lang seinen eigenen Trauermarsch gehört. Aehnlich, meine Herren, geht es mir in dieser Debatte, die seit gestern fortgesetzt wird, und wo von politischen Todeserklärungen, Einsargungen und Begräbnissen die Rede ist. Ich werde unwillkührlich daran erinnert, daß eigentlich auch ich dabei betheiligt sei, und sosummen mir diese Trauerklänge seit drei Monaten in sehr vernehmlicher Weise in den Ohren. Meine Herren! Ich bin sogar noch übler daran, als jener Oberlieutenant; ich bin angewiesen, bei dieser «Zeremonie gegenwärtig zu sein, dabei zu fühlen, zu denken. Wenn ich noch meine eigene Leichenrede dabei halte, so wäre das nicht das Aergste, aber trotz des Gefühls meiner Lebensfähigkeit geradezu für todt erklärt, eingesargt und begraben zu werden — diese Lage ist gewiß keine beneidenswerthe." —