Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 3 (März 1855)
- Date
- 1855-03-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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66 Bayerische Aüü»Mcr'vNhaRvlllRg«N gewohnten Ufem tritt, gelingt es wohl immer wieder ihn zuruckzudammen; allein manches Vorurtheil und manches Unrecht hat er doch unwiederbringlich mit hinabgeschwemmt, und seine ausgetretenen Fluthen haben, wenn man auch sie selbst nicht mehr bemerkt, doch die Baume der Zukunft erquickt und deren Blüthen und Früchte gefördert. — Ein Residuum bleibt immer zurück, dessen der Freund deS Rechtes und der Freiheit sich erfreuen mag.— Gilt Dieses schon von dem factischen Recht, so gilt es in noch weit höherem Grade von der ethischen Gesinnung. Thaien der Freiheit geschehen oft im Momente der politischen Aufregung und Leidenschaft; aber wenn sie nicht auf entsprechenden Gesinnungen beruheu, so tragen sie die Bürgschaft ihrer Dauer nicht in sich selbst. Darum liegt für uns — und wir betrachten unsere Sache als solidarisch mit der Sache der Humanität, indem im Noranschreiten unserer Sache der Geist Gottes, der Geist der Menschlichkeit sich stark zeigt im Siege der Schwachen — darum, sagen wir, liegt für uns ein weit größerer Sieg darin, wenn die Gesinnungen einer humaneren und vorurtheilsfreieren Auffassung der Judenfrage allmälig und unverkennbar in ihrer Reife voranschreiten, als dort, wo unS mit Einem Male und im Sturmdrange der Zeit die Freiheit in den Schooß geschüttelt wurde. Was nützt uns die äußere Freiheit, wenn im Innern unserer andersglaubenden Brüder noch Haß und Vorurtheil gegen uns vorhanden sind? — Die innere Emancipation, wann nämlich unsere Gegner von eingewurzelten Vorurtheilen sich selbst emancipiren, ist daher von weit größerem Belang, als die äußere Emancipation, die uns zu Theil wird. Denn jene trägt diese, diese nicht jene in sich. — Darum haben die Bayerischen Kammerverhandlungen dieses Jahres ein so hohes Interesse für uns. Frühere Klagen gegen die religiösen und socialen Zustände der Juden, woraus die Judenfeinde ihr Rüstzeug zu holen pflegten, sind gänzlich verstummt; selbst der christliche Staat wollte nicht mehr recht tkndea. Dafür aber sind aus dem Munde der Volksvertreter eines Landes, welches man gewöhnlich als der Finsterniß verfallen erachtet, Urtheile so humaner Natur, anerkennende Worte über