Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 3 (März 1855)
- Date
- 1855-03-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3129675-3129718-3129721--1043-3131652- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
(März 4855.) RS. Die Bayerischen Kammer-Verhandlungen über die Judenfrage. (Nach den stenographischen Berichten.) Es gab einen Moment in der Geschichte unseres Jahrhunderts, wo der Geist unserer Zeit, oder besser der Geist GotteS in der Zeit, wie einst am Sinai dort unter Donner und Blitz die Antwort gab auf die Judenfrage. Es war dies im März 1843. Wo damals vom Volke, oder von den Regierungen die Punktationen des Zeitgeistes aufgestellt wurden, nirgends fehlte de^ göttliche Ausspruch, welcher Jahrtausende unserer Leiden ausgleichen sollte: „Der Genuß der bürgerlichen und politischen Rechte soll nicht durch das Glaubensbekenntniß beschränkt werden." Die Reaktion hat sich viel Mühe gegeben, diesen göttlichen Satz, welcher Menschen zu Kindern GotteS macht, zu gleichberechtigten Kindern, zu beseitigen; es ist ihr theilweise, aber nicht gänzlich gelungen. ES ist kein Land und kein Ländchen in Deutschland, worin die Juden nicht wenigstens einigen Zuwachs an politischen oder bürgerlichen Rechten empfangen haben; und wenn es gleich nichts Schmerzlicheres gibt, als auS dem Vollbesitze der edelsten Güter und heiligsten Rechte gesetzt zu werden, und wir zu unseren früheren bitteren Erfahrungen auch diese bitterste noch hinzunehmen mußten: so gibt es doch anderseits nichts Tröstlicheres für uns, alS daß eS selbst dem heftigen Anstürmen unserer eingefleischtesten Feinde nicht gelang, AlleS zu zerstören, was der erwachte Geist des Rechtes und der Humanität begründet hatte. Wir erkennen hierin, zur Freude für unS und die Civilisanon überhaupt, die Macht der Zeit und ihren Gang. Nach jeder mächtigen Bewegung, wann der Strom der Zeit auS seinen