Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1855)
- Date
- 1855-02-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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75 vttcenfionen. Indem lch daher nun die Quintessenz auS Raschi, Ebn SSra, Kimchi, Nachmanides, Abarbanel :c., und die Kommentare von Rosenmüller, Hitzig, Bohlen, Ewald u. A., sowie die zerstreuten Erläuterungen im Talmud, Midrasch, More Nebuchtm u. s. w. im vorlegenden Kommentar mit möglichster Kürze und Deutlichkeit heranbrachte und das Ergebniß eigener Forschung—gewöhnlich durch ein bescheidenes „vielleicht'', „wohl" — dabei einführte, habe ich, fern von Partheirichtungen und extremer Voreingenommenheit, bei dieser Arbeit stets einen vernünftig frommen Standpunkt festzuhalten und, unter sorgfältigster Berücksichtigung der grammatisch historischen Hülfsmittel, mit der größten Wahrheitsliebe den Sinn und Zusammenhang der Schrift überall zu ermitteln und darzulegen gesucht, unbekümmert, ob das Gesagte zur Rechten oder zur Linken Beifall finde oder nicht. Denn der Kommentator ist ja nur berechtigt, die Schrift auszulegen, nicht daS, was er gern darin lesen möchte, hineinzulegen; er soll mit aller Unbefangenheit aus den Worten und Andeutungen, dem Zusammenhange und den Parallelstelleu des TerteS zu ergründen suchen, was der Autor sagen und wie er das Mitgetheilte aufgefaßt wissen wollte; und es wäre z. B. eben so eine Versündigung an der Wahrheit, den Durchgang der Israeliten durch's rothe Meer als natürlich zu interpretiren, wenn er dem biblischen Erzähler offenbar als Wunder gilt, wie die Wiederbelebung des todten Kindes durch Elischa als ein Wunder darzustellen, wenn sie der Berichterstatter selbst als ein natürliches Ereigniß ansah. Es wird unS aber auch um so leichter, vor dergleichen Sünden, wozu die eigene Anschauungsweise und allerlei Rücksichten sonst verleiten möchten, uns zu bewahren, wenn wir unS überzeugt halten, daß es für die Religion und den Glauben an die Göttlichkeit der Bibel und ihres ewig wahren religiösen und sittlichen Inhalts in der That unwesentlich sei. ob z. B. Bileams Eselin ja oder nicht gesprochen, ob der Pentateuch vom ersten bis zum letzten Worte ja oder nicht von Mose herrührt, ob dieser und jener Psalm wirklich von David, ob der letzte wie der erste Theil des Buches Jesaja von diesem oder einem andern Propheten sei. Wie denn ja auch MaimonideS durch seine Aeußerung (Mlelwtk '"NO' Kap. 8), daß der Glaube an Mose's göttliche Sendung sich gar nicht aus seine Wunder stütze, dem israelitischen Offenbarungsglauben nicht den mindesten Eintrag gethan, und wie auch der Talmud (Baba Bathra 15) die Meinung, daß die letzten acht Werse des Pentateuchs nicht von Mose geschrieben seien, nicht deßhalb verschwiegen hat, weil dadurch die Integrität der Thora angegriffen werden dürste; ja