Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1855)
- Date
- 1855-02-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Bücher d. heil. Schrift v. vr. Herrheimer.?K fetzungen, und ich gestehe, daß wie mich daher keine der vorhandenen befriedigte, ich auch bei meiner eigenen häufig das Ungenügende des deutschen Ausdrucks fühlte, um die kindliche Naivität und Einfachheit, die prägnante Kürze, die Kraft und Schönheit des ParalleliSmuS, den Bilder- und Wortreichthum des HebraismuS für alle Nüancen des Begrifflicheil und Gemüthlichen in der Religion wiederzugeben in entsprechend klarer, ungezwungener und edler Darstellung. Wer aber in der gleichen Ueberzeugung von der Unerreichbarkeit des hebräischen Originals für die deutsche Übertragung die von mir angestrebte Vereinigung der Treue mit der Deutlichkeit und Schönheit zu würdigen weiß, wird auch die konstante Gleichförmigkeit in meiner Übersetzung nicht verkennen, die wir in den Bibelverdeutschungen, mit Ausnahme der De Wette'schen, um so mehr vermissen, je mehr sie gerade von den biblischen Autoren festgehalten ist, so daß wir auch in dieser Beziehung es der Treue schuldig sind, unserer Übersetzung daS Gepräge des Originals aufzudrücken. Als ein wesentliches Bedürfniß des Judenthums unserer Zeit erscheint 3) ein Commentar auf die Bibel, und zwar von dem Standpunkte aus und in der Weise, wie ich ihn in meinem Bibelwerke zu geben versuchte. — Durch seinen Bibel-Commentar hat Rafchi auf die Fortleitung, Erhaltung und Gestaltung jüdischreligiösen Wissens und Lebens bis auf unsere Zeit allgemein, tief und nachhaltig eingewirkt. Die rabbinische Sprache dieses Raschi-Commentars ist aber jetzt den Meisten entfremdet, und sein Inhalt oft, namentlich für die Schuljugend, unschicklich, oft die einseitigsten Deutungen des Midrasch herbeiziehend, dem Heu tizen Standtpunkte der Wissenschaft in philologisch-grammatischer Beziehung nicht entsprechend, der bis jetzt gewonnenen Kenntnisse der Sitten, Oertlichkeiten, Geschichten und naturwissentschaftlichen Gegenstände des Orients großenthcilS entbehrend, auf die Gründe der Gesetzesvorschriften, wie auf die Erörterungen über den Zusammenhang der einzelnen Bücher und Stücke der heiligen Schrift oder über deren Verfasser kaum eingehend. Ist deshalb aber dieser sonst so liebe und vertraute Führer in das Heiligthum der Schrift und Tradition jetzt fast überall aus Schule und Haus verschwunden, ist auch der Biur nicht mehr als Raschi's Stellvertreter von dem hebräischunkundigen Publikum begehrt, so ist eS um so dringlicher nothwendig, in deutscher Sprache einen Commentar zu besitzen, der in jener deutlichen Aürze, welche Raschi'S Commentar so praktisch und allgemein nützlich gemacht, den reichen Schatz des Gediegenen auS letzterem mit den besten Erzeugnissen jüdischer und außerjüdischer Eregefe aus alter und neuester Zeit vereinigt.