Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Volkslehrer · 1855-02-01 · Heft 2 (Februar 1855) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
4 (1855)
Issue
Heft 2 (Februar 1855)
Date
1855-02-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3129675-3129718-3129720--1024-3131632
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die Karalten in der Krim. DaS seidene Gewand, welches unser Hemd repräsentirt, heißt „Aülmek", — die Pantalons, meistens ebenfalls von Seide, werden „Kontschak" oder .,Schalwar^ (Schariwari) genannt. Ueber Schaiwar und Aülmek hängt in weitem Faltenwurfe, nur oben aus der Brust eng anschließend und mit einer Menge kleiner silberner Haken zugehäkelt, der „Ton", herab, welchen in der Mitte des Leibes der „Kuschak" (Gürtel) zusammenhält. Ueber dieses lange Unterkleid ziehen die Kara'iten alsdann noch ein kurzes, meistens mit Pelz verbrämtes Oberkleid oder eine Oberweste, lDschübae" genannt. „Seht, und obenauf setze ich dann noch mein rothblaues Feß," sagte der kleine Mangub, ...empfehle mich Euch zu Gnaden und springe fir und fertig mit oder odne Bavuschen (Pantoffeln) davon." Und damit hüpften alle die kleinen Prinzen wieder in die Synagoge, um sich zu ihren Vätern auf die Teppiche zu legen und eine Zeitlang dem Gottesdienste zu lauschen. Von dem Barte der Aaraiten läßt sich besonders bemerken, daß Alle ihn auf der Lippe stehen lassen, übrigens ihn aber wegrasiren bis auf einen ganz merkwürdigen, äußerst schmalen, langen Backenbarts-Streifen, der vom Kinn über die Kinnladen hinweg und beim Ohre vorbei so weit hinauf geht, als nur Haare wachsen. Auch auf dieser äußerst dünnen Linie dürfen aber die Haare nicht wachsen, wie sie wollen, sondern werden gleich einer Gartenhecke so stark unter der Scheere gehalten, daß sie nur einem gemalten Streifen gleichen. Diese streifige, über vie Haut hinirrende Barrschattirung findet sich auf der Wange aller Kara7ten ganz auf dieselbe Weise und vollkommen in derselben Richtung. Nicht so bei den Tataren. Wahrscheinlich ließe sich von dem Ursprünge dieses sonderbaren, die Kara'iten von den Tataren unterscheidenden Bartstreifens irgend ein Geschichtchen erzählen, das mir aber nirgends berichiet wurde _(Schluß folgt.) *) DaS wollen wir dem geehrten Reisenden recht qerne erzählen. Dieser Streifen bedeutet nichts Anderes, als die Beobachtung des mosaischen Gesetzes über das Stehenlassen der Bartecken (711^2 Levit. lv, 27.) — Die Talmudisten, welche ihre Ansicht, wie die Zell sie erforderte, oft über den dürren Buchstaben des mosaischen Gesetzes stellen, haben em Mittel gefunden, die Bartecken gänzlich zu beseitigen, indem sie, die freilich sehr eigenmächtige Erklärung aufstellten, die Worte der Schrift: x^Mtz^ 12Z?7 (du sollst die Bartecke nicht zerstören) beziehe sich bloS auf das Rasirm esser, uicht auf die Scheere 8?d5 N51Nll?N Die Karalteu, die strengen Leute des Buchstabens, machen nun von dieser Erleichterung keinen Gebrauch; daher der Bartstreifen der Kara7ten. Daß es kein vollständiger Bart werden darf, geschieht wohl, um sich von de» polnisch-talmudischen Juden zu unterscheiden. Aum. d. Red. — <o> S*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.