Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 4 (1855)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1855)
- Date
- 1855-02-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3129675-3129718-3129720--1023-3131631- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
Die^KaraÄen in der Krim. ge» Auskommen haben. Alle lesen und schreiben können, fich nur die Harmonie und Mäßigkeit — die Talmudisten sagen Mittelmäßigkeit — unseres Geistes zu offenbaren scheint." Die Deutschen und Russen in Odessa nennen die Karaiten, indem sie dem hebräischen Pluralis noch ihre eigene Plural-Em digunz anhangen, auch „Karaimen". Bei den Ungebildeten ist dann dieses Lippen-M sogar in das Lippen-B übergegangen, und es unterhielt mich daher einmal eine lange Zeit ein dortiger Durger von den Karalben Odessa's. von denen er mir allerlei Wnnderdinge erzählte. Als ich ihn fragte, ob ste auch Menschenfleisch äßen, lachte er mich darüber eben so herzlich aus, wie ich ihn über seine.Karaiben.« Was die Kleidung der Karatterr anlangt, so ist sie fast völlig tatarisch, in Odessa wie in der Krim. Nur die tatarische Mütze, den Kalpack, haben, in Odessa wenigstens, viele Männer mit einer europäischen Mütze vertauscht, wie man denn überhaupt bemerken kann, daß alle Resolutionen in der Kleidung zunächst mit einer Veränderung der Hauptbedeckung beginnen*). „Seht! seht! das ist der kleine Mangub." sagte mir der Thürwächter der karaltischen Synagoge in Odessa, mit dem ich im Kärtchen derselben stand, die Aus- und Eingehenden zu betrachten, indem er dabei auf einen wunderhübschen Knaben hinwies, der aus der Synagoge mit vielen anderen hervorlief, „sein Vater ist der reichste von uns Odessa'schen Karaiten, bei dem kennt Ihr Euch die Kleidung, um die Ihr mich fragt, recht genau, betrachten, denn er hat ste nach dem besten Schnitt." — Die Knaben hatten ihre Pantoffeln vor der Thüre gelassen und amüsirten sich damit, zum Intermezzo während des Gottesdienstes in bloßen Füßen unter den Bäumen umherzulaufen. Diese karaltischen Knaben sehen übrigens alle so elegant goldig und seiden, wie eine Schaar junger Prinzen, aus. Ich mischte mich unter sie und sagte dem kleinen Mangub, daß ich seinen Anzug sehr hübsch fände und die Namen der Kleidungsstücke zn wissen wünsche. Auf meine Bitte, sie mir doch einmal zu zeigen und zu nennen, erwiedene er: „lsnolhv, pa ruret-ki? (auf Türkisch?) »recht gern!" — Die Karalten sprechen nämlich unter sich tatarisch und nennen dies, wie die Tataren selber, türkisch, die Odessaischen verstehen übrigens alle auch russisch. Die karaitischen Kleider, wie der kleine Mangub sie mir angab, waren nun folgende: *) In Wien haben auch die spanisch-türkischen Juden ibre Kleidung ftft »och völlig unverändert beibehalten, während sie schon ein Mühchen nach öfterrelchischem Schnitte tragen.