Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1856)
- Date
- 1856-12-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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332 Die Wilhelmspflege «s Die Wilhelmspfiege*) und ihr fünfundzwanzigjähriges Jubiläum. Im Jahre 1830 traf der Buchhändler I. Heß in Ellwangen der damals selbst mit deS Geschickes Mächten zu kämpfen hatte, um den lieben Hausstand bürgerlich ehrenhaft durchzubringen, die ersten Einleitungen, um einen israelitischen Waisen -Verein zu Stande zu bringen; er hatte Aufrufe verbreitet, Statuten entworfen, kein Opfer gescheut, um die Sache ins Leben zu rufen, abcr er merkte bald daß ohne energischen Beistand edler Gleichgesinnter, er nicht obsiegen werde und er wendete sich an einige israelitische Männer in Stuttgart, die bereitwillig sich ihm anschloßen. Der selige vr. Dreifuß, damals noch praktizirender Arzt in Stuttgart/ stellte sich an die Spitze und ihm gelang es, den Verein als vollendete Thatsache bald constituirt zu haben. König Wilhelm, der bis jetzt durch seine Munificenz die Anstalt reichlich unterstüzte, sanctionirte die Vereinsstatuten und an dessen Geburtstage den 37. Septbr. 1831. konnten schon „acht" Waisenkinder bei israelitischen Lehrern auf dem Lande auf Vereinskosten untergebracht werden. Die k. israelitische Oberkirchenbehörde übernahm auf Befehl des k. Ministeriums die Oberaufsicht des Vereins und förderte sein Indessen in ihrem Wirkungskreise. Der Staat übernahm die Verpflegung von vier Kindern, nach dem Vevölkerungsverhältnisse der verschiedenen Konfessionen Württembergs. So wuchs die Anstalt von Jahr zu Jahr, die Hilsefragenden bei derselben waren zahlreich, aber ihre Mittel gering; der unermüdliche Vorsteher vr. Dreifuß traute auf den Sieg der Humanität, und dem Kühnen hilft ja daS Geschick. Cr ergriff mit begeistertem Patriotismus und glühendem Eifer für sein Volk die Gelegenheit der Feier des 25jährigen Regierungsjubiläum deS Königs Wilhelm, um die im Hgudr zerstreut in Pflege gegebenen Waisen in einem Rettungshause zu sammeln. Der Gedanke reifte schnell zur That, fl 6000 spendete die kleine jüdische Bevölkerung Württembergs; er kaufte ein ge- *) Israelitische Waisenanstalt zu Eßlingen in Württemberg; vergl. Nundschau, S. 21S und 30S d. Z.