Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 11 (November 1856)
- Date
- 1856-11-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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Mmdschau. für Viele unter ihnen das Gewissen nicht binde.) — Unsere Leser werden mit uns von gleicher Entrüstung durchdrungen sein, wenn sie dieses lesen. Wohin soll eS mit der öffentlichen Gerechtigkeit kommen, wenn sie auf dem schlüpfrigen, haltlosen Wege ves VorurtheilS ihren Standpunkt nimmt? Strafet, so strenge Ihr wollet nnd sollet, den falschen Schwur, das falsche ZengniZ; aber tastet die Gleichheit vor dem Gesetze nicht an. Könnet Ihr in die Herzen schauen? Wenn Ihr es könntet, so hofften wir sicher, daß sich Eu«b auch in Betreff der Heiligkeit des Eides die jüdische Sittlichkeit als nicht hinter der christlichen zurückbleibend offenbaren würde. — ES wehet im Elsaß noch deutsche Lust; wir fügen daher ein neues Beispiel der Intoleranz aus dem lieben deutschen Vaterlande hier an. Das »AugSburger Auzeigeblatt" meldet von einer Adresse, worin eine Anzahl Bürger gegen die Aufnahme von Großhändlern jüdischen Glaubens in Augsburg bei dem Magistrate petitionirt. Der Scbluß dieser Adresse lauet: „Wir unterzeichnete Bürger Augsburgs erlauben uns die unterthänigste Bitte, daß den bemerkten Gesuchen die Zustimmung Hoher Stelle versagt unk dadurch die Stadt Augsburg vor den Fortschritten einer Gefahr bewahrt und gesichert werde, welche den größten und dringendsten beigezahlt werden darf; wie sie jemals bestanden hat."—Schon das »guteDeutsch" kennzeichnet die frommen Bittsteller aus dem Mittelalter! — Mochten doch die edlen Petitionäre. welche das harte Geld der christlichen Liebe so gut in die Scheidemünze dcS Krämergeistes umzusetzen wissen, sich in Frankfurt erkundigen, ob die jüdischen Händler und Großhändler daselbst dem Flore der Stadt Eintrag gethan; ja möchten sie sich in Betreff der so großen Gefahr, die sie von ihrer guten allen Reichsstadt ferne halten möchten, bei der Schwefterstadt Nürnberg erkundigen, die. wie in der bayrischen Kammer öffentlich bezeugt wmde, seitdem sie Juden wieder zuläßt, zum Hauptsitze und Mittelpunkte des bayerischen Hopfenhandels geworden ist. Nürnberg'S Flor sank mit der Austreibung der Juden, während das benachbarte Fürth nur in Folge ihrer Aufnahme aus einem unbedeutenden Flecken zu einem der bedeutendsten Fabrikpläße sich emporgeschwungen hat. Doch wozu viele Worte verlieren? Tie Dmnmheit lernt und vergißt nichts! — AuS PariS melten die Blätter von den großartigen Stiftungen, welche der leider nur zu frühe verstorbene, aber durch sein edleS Wollen und Wirken unsterbliche A chille-Edmono Halpheu in seinem Testamente verewigt hat. Dieselben erstrecken sich auf viele allgemeine, wie insbesondere jüdische Wohlthätigkeits-Anstalten. Sein würdiger Bruder und Erbe Constant Halphen hat. und es muß dieß besonders anerkannt werden, mehrere dieser Stiftungen aus seinem Vermögen noch vermehrt. Von dem VerwaltungSrathe des R othsch il 0'schen Hospitals zu Paris, welches gleichfalls ein sehr bedeutendes Legat empfangen hat, ist die Bestimmung getroffen worden, daß ein Saal dieser Anstalt den Namen deS Seligen tragen, und alljährlich sein Sterbetag durch eine besondere Feier in dankbarer Erinne-