Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 11 (November 1856)
- Date
- 1856-11-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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S10 Rundschau. höhern OrtS noch nicht erhalten haben, so gewähret man dennoch bald in dieser, bald in jener Gemeinde ein eifriges Bestreben, dem Gottesdienste eine zeitgemäße Umgestaltung zu geben, sich aus verjährten Mißbräuchen herauszuarbeiten und so geschieht eS, daß manche der Synagoge fremd gewordenen Israeliten die heiligen Hallen des Gotteshauses mit Freuden besuchen. Mit Vergnügen gedenken wir der isral. Gemeinde zu Grünstadt. Seit einigen Wochen begehet man in dortiger Synagoge einen, die Andacht wahrhast erhebenden Gottesdienst. An die Stelle des früheren ungeordneten Durcheinanderschreiens ist ein in bester Weise einstudierter vierstimmiger Chorgesang (Sopran, Alt, Tenor und Baß) mit feierlicher Orgelbegleitung getreten; und Wer noch vor kurzer Zeit die dortige Synagoge besucht hat, wird jetzt nicht wenig erstaunet und erfreuet sein, wenn er sich an einem Sabbathe oder Festtage in diesen heiligen Räumen einfindet und sich wundern ob dieser erhebenden Umgestaltung in so kurzer Zeit. Wir zweifeln nicht daran, daß dieses rühmliche Beispiel bald zahlreiche Nachahmung finden wird, und daß andere Gemeinden bereitwillig gleiche Opfer einer so heiligen und zeitgemäßen Sache bringen werden. Zu Straßburg ist, wie „1e Iiivn ä'Isr»«^ berichtet, die iSrael. Bevölkerung durch eiu neues, sauberes MisstonSgeschichtchen in große Aufregung versetzt worden. Ein Jude ^ac<ius8 va^uol, Literat, der seit einer Reihe von Jahren mit den Sendlingen der englischen Bibelgesellschaft Umgang pflegte, hat deren Machinationen Nachgegeben und den Glauben seiner Väter abgeschworen. So nicht seine Ehefrau, die Anfang dieses Jahrs als Israelitin starb und auf dem israelitischen Friedhofe beerdigt wurde, bei welcher Gelegenheit noch, gesinnungslos genug, Herr Baquol die Ceremonie des KleiderzerreißenS mitübte. Sie hinterließ ihm fünf unmündige Kinder; und als nun im verflossenen September ihr genannter Vater von einem Schlaganfatl so heftig getroffen wurde, daß er aller seiner Sinne beraubt, und in Folge dessen in das Straßburger Krankenhaus der Diakonissinnen, mitsammt seinen hilflosen Kindern, gebracht worden war, so hatten die elenden Seelenhäscher nichts Schnelleres zu thun, als die armen Kinder zu taufen und sie auf diese Weise eigenmächtig .ihrem angestammten Glauben zu entreißen. Die Familienangehörigen aber, kaum von diesem Seelendiebstahl unterrichtet, legten dagegen energischen Widerspruch ein, und ist eS, insbesondere durch die nachdrückliche und erfolgreiche Verwendung des wackeren Advokaten unseres Glaubens, Herrn M. Honel. welchem wir hiermit für seinen schönen Berufseifer öffentlich Dank und Anerkennung zollen, gelungen, die geraubten Schaafe zur Heerde Israel zurückzuführen, indem sie unter seine Vormundschaft gestellt wurden, und er ihnen nunmehr, in doppelter Beziehung, V ater sein will und wird. — Der würdige Redacteur obengenannter Zeitschrift hat nun in seiner Predigt am jüngsten Schlußfeste seine Parochianen dringend aufgefordert, den edlen Honel mit Geldmitteln zu unterstützen, damit es ihm möglich werde, den Kindern in guten iSraeliti-