Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 11 (November 1856)
- Date
- 1856-11-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- Seesen 1× ep/1048106
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zu Seesen. 303 Der reinste Humanismus, der diese Anstalt hervorgerufen, muß sich auch in allen ihren Erscheinungen und Erfolgen offenbaren. Der Erfolg, den ich dabei unter Gottes sichtbarem Beistande schon erreicht habe, ist dieser: Die Zakobson'schen Waisenknaben fühlen, daß sie in der Anstalt ein Elternhaus gefunden; daß sie in diesem Elternhause zum besten Lebenszwecke geführt werden sollen; ja zum Theile sind dieselben schon so weit vorgeschritten, daß sie mit Bewußtsein das Ziel erkennen, welchem ihr Wohlthäter sie entgegen führen will. — Ueberschaue ich nun die praktische Wirksamkeit, welche die Anstalt bisher entfaltet hat, so ist nach meinem Dafürbalten das Resultat ein ganz befriedigendes. In der Religionslehre, in der biblischen Geschickte und Bibelkunde, sowie im Uebersetzen des Hebräischen, im Lesen und Schreiben und in der deutschen Sprache haben die Schüler recht erfreuliche Fortschritte gemacht. Das Rechnen wird auf naturgemäße Weise gelehrt und dabei schöne Resultate erzielt. In Naturkunde, Geographie und Geschickte haben die Schüler recht angemessene Anschauung erhalten*). Turn- und Gesangunterricht werden — vorzüglich der Gesang worüber Referent sich ganz besonders freut —von dem, im v. I. angestellten Hrn. Lehrer Sonnemann aus Wolfenbüttel, sorgfältig und kräftig geleitet. Als nützlich und zugleich unterhaltend wirkte in den Wintermonaten das Korbflechten, welches regelmäßig Montag und Donnerstag, Abends von 6—8 Uhr, stattfand. Der Unterricht wurde von einem Korbflechter, einem stillen und bescheidenen Manne ertheilt. Seit dem Winter 1855 erhalten die größeren Knaben auch Unterricht in Tischlerarbeiten, damit sie wenigstens die nöthigen Handgriffe auck hierin erlernen und sich im Leben zu helfen wissen. Außerdem werden sie im Sommer in den ver-. sckiedensten Garten- und Feldarbeiten praktisch unterwiesen. Mit jedem Jahre wächst die Liebe zu solcher Beschäftigung. Wie innig freuet sich oft ein armer Greis, wenn er unter dem Schatten eines von ihm in der Zugend gepflanzten Baumes ausrudt. Oft ist ein solcher der ganze Nachlaß seines Vermögens, aber der Baum! bietet ihm auch einen ^eichthum an lebendigen Erinnerungen seiner Jugendjahre dar; er ist ihm ein Gegenstand wohlthuenver Liebe, der ihn nie verläßt. Ja, meine lieben Israeliten, ein selbst gej 2) Im Ganzen sucht die Jacobson'sche Waisenanstalt ihren Zöglinl gen das Maaß von Kenntnissen beizubringen, die ein guter Schüler in einer ' guten, wohlgeordneten Bürgerschule erlangen kann.!