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Der israelitische Volkslehrer · 1856-11-01 · Heft 11 (November 1856) · page 20

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 11 (November 1856)
Date
1856-11-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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802 Die Jacobson'sche Wais-nanstalt meisten Fällen nicht die rechten Gefühle; eS gibt viele Waisen, die ewig einen Groll im Herzen tragen gegen ihre frühesten Versorger, und das Andenken an die erlittene Härte und Zurückfetzung verbittert und verkümmert ihnen nickt selten ihre ganze Lebensstellung. Die Erscheinungen und Vorkommnisse, welche der Waisen- Erzieher bei seinem Geschäfte zu beobachten hat, sind daher von so zarter und mannigfacher Natur, daß die Aufgabe desselben eine sehr hohe und schwierige ist. Das Werk, dem er vorstehet, ist ein Werk der reinsten Humanitär, und von dieser muß er deßhalb selbst im höchsten Grade durchdrungen sein. Er soll als Mensch, als Lehrer und Erzieher, auf verlassene Menschen einwirken, daß sie Menschen werden, als ein Werkzeug der Vorsehung, die will, daß das Menschliche durch den Menschen in die Menschheit eindringe. Die erste Forderung an Den Waisen Erzieher lautet daher: „Thue in Liebe was du kannst und höre nicht auf zu erforschen, wie du ein besseres und gedeihlicheres Ziel herbeiführst." Hier droht durch die Verkümmerung der Lebensumstände eine Mißgestalt zu werden, welche durch zweckmäßige Operation — nicht immer Stock und Peitsche — beseitigt werden muß; dort zeigt sich, mitten aus dem Wüste verdumpfender Verhältnisse, ein frischer Keim, der eine noch ungekannte Kraft zum Vorschein bringen will. Das Alles muß der Waisen-Erzieher im Auge behalten; er muß die Verhältnisse und den Lebensweg jedes Kindes berücksichtigen, um sein Verfahren darnach einzurichten. Nicht nur das. was in uns ruhet, nicht nur das, was wir aus dem Menschenkinde machen wollen, ist das allein Wahre und Reckte; die Wahrheit und mit ihr auch das Gedeihen der Erziehung liegt vielmehr in der sorgfältigen und gewissenhaften Berücksichtigung und Beachtung aller gegebenen Umstände, aller vorhandenen Elemente in der KindeSnatur. Wer mit einseitiger Standbaftigkeit nur dem Geltung zu verschaffen sucht, was er für richtig und gut erkannt hat. der bauet nicht auf, der stört und zerstört nur. Gilt dieß im Allgemeinen, so gilt es in noch höherem Grade für den Waisen- Erzieher, dem nur der warme Berufseifer in der Brust über die schmerzlichen Täuschungen hinwegheben kann, daß hinter seinen Idealen die Wirklichkeit so oft zurückbleibt. Und dennoch muß er das Ideal stets im Auge behalten, und die innigste Liebe darf nicht aufhören ihn zu erwärmen, daß er Menschen bilde, zum Ruhme Gottes und zur Ehre ihres Wohlthäters. — Mein vorzüglichstes Princip bei der Leitung der Jacobson'schen Waisenanstalt ist daher folgendes:

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