Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 11 (November 1856)
- Date
- 1856-11-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- Seesen 1× ep/1048106
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1 z« Seesen. / 301! " '! ° / 5 les gelingen, und was dabei der menschliche Erzieher nicht vermag, das vollendet der Erzieher aller Menschen. — Die Liebe bei der Erziehung schließt jedoch den Schmerz und daS Widerwärtige nicht aus, und das sanfte Element darf nie- , mals den männlichen Ernst verdrängen. Die zartliebende Mutter wird eine^Wunde oder ein Geschwür am Körper ihres Kindes nicht in Vereiterung und Fäulniß übergehen lassen, etwa auS Furcht, die Auswaschung und Reinigung möchte dem geliebten! Kinde einen augenblicklich größern Schmerz bereiten, sie wird vielmehr den Schmerz des Kindes, wenn auch unter eigenem Schmerze auf dem kürzesten und besten Weg zu beseitigen suchen. „Wer seinem Kinde die Ruthe entziehet, der hasset es!" Ein Schmerz aus Liebe zugefügt, heilt nicht nur den Körper, sondern auch und zwar noch mehr, das Gemüth. Wer aber Wunden und Schaven am Geist und Körper in Lieb- und GefühllosiWlt^HeMn suchtl der kann wohl auch manchen Schaden beseitigen, aber gründlich heilen wird er nicht. Das Thier kämpft und ringt allein mit den Hemmnissen der Welt; es ist dabei auf seine eigene Kraft angewiesen; es hilft sich so gut es kann; nur der Körper leidet Scha-! den, das Innere wird nicht verwundet. Da aber dem Menschen 1 die Außenhilfe so nothwendig wird, so darf diese Hilfe nicht als eine ganz „fremde" erscheinen, sie muß mit dem eigenen Gefühle! Harmoniren; die Hilfe muß in der That "der Liebe entstammt sein.—? Waisenkinder, denen die Elternliebe nun ganz entgehet, müssen besonders mit Liebe erzogen werden, wenn das kindliche Gefühl rege erhalten werden soll. Liebe erzeugt Liebe, Härte erweckt Härte, wie überall das Gleichartige sich paart und einigt. Wer es nun veranlaßt, daß solche Kinder liebevoll zu ihrer irdischen und jenseitigen Bestimmung geführt werden , der trägt einen reichen Segen in sich, dem verleihet Gott einen Slamm, j dessen Wipfel unv Zweige den spätesten Geschlechtern noch die köstlichsten Früchte darbieten. Gute Kinder sind ewig Dankbar gegen ihre Eltern, aber der. Dank guterzogener Waisenkinder, die durch die Barmherzigkeit anderer Menschen zu Glück und Heil geführt werden, ist noch größer und tiefinniger. WaS ein Kind von se;nen Eltern empfangt, betrachtet es nur zu oft als Gabe der Notwendigkeit. Anders bei den Waisen; während ihres ganzen Lebens tragen sie daS Bewußtsein in stck, daß nur! durch fremde, und deßhalb nur um so uneigennützigere Hilfe ihnen geholfen wurde. Dieses Gefühl wird indeß nur dann rege erhalten, wenn den Verlassenen mit und aus Liebe geHolsen wird. Die gewöhnliche Waisenerziehung erzeugt leider in den 26*