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Der israelitische Volkslehrer · 1856-10-01 · Heft 10 (Oktober 1856) · page 21

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 10 (Oktober 1856)
Date
1856-10-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Rundschau. lasset sie uns! Sollten wir diese Gebete erst einführen, dann würden uns die Stimmen eines MaimonideS. Aben-ESra. Kimchi u. a. vielleicht abhalten — jetzt aber, da sie einmal eingeführt sind, behalten wir sie! — Wenn Ihr aber dem Volke sagt, der Inhalt ist in vielfacher Beziehung verwerflich — unwahr — voll des gröbsten Undanks wider Gott und Menschen — dann steht die Sache anders; dann muß jede Entgegnung schweigen -, denn, je frommer daS Gemüth ist, desto mehr muß es die Purificirunq von Gebeten gut heißen, ja fordern, welche unsere Andacht mit dem schwersten Vorwurfe belegen, mit dem der Unwahrheit vor Gott. Die Zeitschrist „!v lien ä'l5rsv1," herausgegeben von Herrn Rabbiner Dreifuß zu Mühlhausen, dringt, zur Verhütung von religiösen Wirren in Frankreich, auf Berufung einer Synode. Wir sind der Ansicht, daß eine solche noch verfrühet sei, indem die religiösen Fragen, von denen die Zeit bewegt ist, noch nicht zu der Reife gediehen sind, als daß wir uns von einer Synode große Erfolge versprechen könnten. UebrigenS sind wir überzeugt, daß eine solche der Sache der Reform jedenfalls dienen müßte. Für neue (Erschwerungen) scheint uns unsere Zeit nicht sehr angethan zu sein. Das religiöse Leben ist in Israel nie stillgestanden-. eS zeugte im Mittel alter stets neue Formen — darin bestand sein- M<,n»'fpst,>»NZ. DaS Gericht tri sein vre jrtzigrn Orihvdvil'e bestehet daher in ihrer Impotenz. Hteue Formen kann sie nicht schaffen; die alten wagt sie nicht abzustellen — so ist unbedingte Stagnation, Versumpfung ihr LooS. Wie lange noch wird der Kleister, werden die Schönpflästerchen halten, womit die Fantastereien ihrer verkehrten Ausleger daS abgeblaßte Ceremvniell beschönigen? — Jede Vereinigung von Rabbinen muß daher nothwendig die Reform zum Ziele baden; denn Wer Siddur und Schulchan-Aruch und Minhagim-Buch bis auf daS letzte Jota für unantastbar t?ält, der bleibe daheim! — Man kann den Schulchan-Aruch übersetzen—aber nicht mit vermehrter »Auflage" — ja Das nur zu halten, was im alten steht, wird selbst den Herren Rabbinern der entgegengesetzten Seite schwer - in gewissen Fällen unmöglich. AuS Oesterreich, Oct. 1856. (Corresp.) — DaS religiöse Jahr geht zu Ende und wenn ich einen Rückblick auf das eben ablaufende Jahr werfe: so weiß ich wahrhaft wenig Interessantes, wenig Erhebendes mitzutheilen. Unsere Zustande find bekanntlich zumeist provisorisch und in jedem Provisorium erlahmen die Kräfte. Was hingegen als Gesetz oder Verordnung erscheint, das spricht gerade nicht dafür, als sollte zu unseren Gunsten entschieden werden. Gigenthümlich genug! Wenn man mit höheren Beamten spricht, so zuckt jeder gewissermaßen verschämt die Schultern, wenn es sich um die Judenfrage handelt. Jeder fühlt eS, daß eS wenig von Bildung, von Humanität zeugen werde, wenn man den Juden das gute Recht streitig machen wolle. Nichtsdestoweniger aber, wenn eS dazu kömmt, so kann man denn doch nicht sagen, daß ein besserer Geist wehe. Es scheint, daß mau bei uns wirklich »ä »bsuränm will geführt werden Der nervus r?rnm ^eren6aruw unsere Finanz-Verhältnisse ist nach wie vor nicht sehr glänzend. Man wird den Grundbesitz am Ende freigeben müssen, wenn mau die Steuerlast wird höher spannen wollen; weiter, als bis zur günstigen Ordnung der materiellen Interessen lassen sich allerdings für jetzt die Hoffnungen nicht steigern DaS Concordat hat die Wege, die zum geistigen Aufschwünge führen können, zum Theil zerstört. Dazu kommt noch, daß während die Protestanten in manigfacher Weise dazu drängen, ihre Verhältnisse zu regeln, sich um die jüdische» Verhältnisse Niemand kümmert. Man läßt die Dittge kommen

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