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Der israelitische Volkslehrer · 1856-10-01 · Heft 10 (Oktober 1856) · page 22

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 10 (Oktober 1856)
Date
1856-10-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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§82 Rundschau uud^ geschehen, und im besten Falle klagt und jammert man das», wenn die Z Dinge einmal tsits »ecomplk find. Eine detrübende Angelegenheit setzt jetzt die Gemüther sehr iu Bewegung. Die „Wiener Kirchen-Zeitung" wärmt auf's Neue den alten Unsinn auf, als würden Juden christliche Kinder abschlachten, weil ffe das Bwt brauchten. ES wäre wohl kaum Werth, daß man über den Gegenstand spräche. Man darf jedoch nicht vergessen, daß die Zeitung nach Tirol :c. kömmt, wo es heißt jursrv in verd» m^istri. Da erwecken derartige Artikel sehr viel Mißstimmung. Bezeichnend und erfreulich ist eS nur. daß die gesammie Wiener Presse (^dorus gegen jenen Aufsatz gemacht hat. In Betreff unserer Verhältnisse nach Innen, hätte ich Ihnen bloS von dem Neubau so mancher Synagogen zu berichten. Jedes Kronland hat deren mehrere aufzuzählen. Wo eine neue Synagoge errichtet wird, da kömmt auch die liturgische Frage zur Verhandlung und überall wird mehr oder weniger auf die neuen Verhältnisse Rückficht genommen. ES gehet daraus hervor, daß all die Versuche, die alten Zustände wieder herzustellen, nicht zum Ziele führen, und ihr Motiv, daß fie, wie man vorgibt, dem Volke mehr entsprechen, unwahr sei. Wir find in Oesterreich übrigens noch vor dem andern Ertrem bewahrt Es gibt nämlich bei uns, außer einzelnen sporadischen Fällen keine Partei, die dem RLKMsmus daS Wort reden möchte. Die religiöse Blafirtheit ist noch nicht so weit, daß fie über alles in allem den Stab brechen möchte. Ich hätte wohl hier zunächst Gelegenheit über Prediger und Rabbinen zu sprechen. AuS dem was in Wien und Brünn vorgehet ließe fich schließen, daß der jüngere Nachwuchs im Ganzen nicht die Hoffnungen erfüllt, die man gehegt hatte. Man wird fich eben entschließen müssen, entweder die Hoffnungen herabzustimmen oder das bisherige Wahlsystem aufzugeben- Ans New-Bork wurden uns die Statuten eine? Gesellschaft zur Verbreitung des Ackerbaues unter den Israeliten mitgetheilt — ein schönes Unternehmen, dem wir den besten Fortgang wünschen! Es wäre freudig zu begrüßen, wenn bei uns reiche Männer Sinn dafür zeigten, arme Israelitische Knaben und Jünglinge im Ackerbau unterrichten zu lassen, um fie dann unter der Bedingung nach Amerika zu senden, reSp. ihnen dort noch mit Mitteln an die Hand zu gehen, wenn fie fich effektiv dem Ackerbau widmen. Wie schön wäre eS, wenn in dem neuen Palästina bei den Juden die Liebe zum ehrenvollen Erwerbszweige deS alten wieder lebendig würte! (Sie steht eS mit dem Projekte der Ackerbauschule zu En dingen in der Schweis Aus Cincinnati wird uns die neue Ausgabe der deutscheu Zeitschrist -Deborah" in größerem Formate mitgetheilt. Dieselbe hat fich den Zweck gesetzt, die Vorgänge auf dem jüdisch-religiösen Gebiete in Amerika getreu wiederzugeben und nennt fich daher „allgemeine Zeitung des amerikanischen Judenthums." Das Blatt kann als solches viel wirken, wenn es mit dem größeren Formate auch eine größere Anschauungsweise geltend macht, und kleinliche Dinge, wie solche früher bei seinem kleineren Formate vorkamen, wo namentlich abgeschmackte Witzeleien auf den „Sinai» und dessen hochachtbaren Redakteur, und auch sonst Anekdötchen vorkamen, welche Damen von deutscher Bildung nicht goutiren können, gänzlich wegfallen, und so das Blatt uns wirklich einen Spiegel der dortigen, in ss vielfacher Beziehung interessanten Verhältnisse darbieten wird. In dieser Erwartung wünschen wir ihm den besten Fortgang.

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