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Der israelitische Volkslehrer · 1856-10-01 · Heft 10 (Oktober 1856) · page 13

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 10 (Oktober 1856)
Date
1856-10-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Unterricht und Erziehung. 273 oder Tadel, keine Mühe und Anstrengung scheuend, ganz seinem wichtigen Berufe hingegeben, durch Unterricht, Lehre und eigenes Beispiel segensreich wirkend. — Die so gestaltete Schule, der so wirkende Lehrer, sie wer? den dem Staate treue Bürger, dem Glauben acht fromme Genossen, der menschlichen Gesellschaft tüchtige Mitglieder bilden; sie werden Zucht und Ordnung pflegen, Nächstenliebe fördern, wahre Religion begründen und so praktisch beweisen, daß Unterricht und Erziehung Hand tn Hand gehen müssen, wenn die Schule ihrem höheren Zwecke entsprechen und die Schüler dem höchsten Ziele näher gebracht werden sollen. Schon die ältesten Schulen hielten es für ihre Aufgabe, ihre Kinder nicht bloS als Schüler, sondern auch als Zögt inge zu betrachten, ihnen nicht blos Kenntnisse beizubringen, sondern ihrem Gemüthe und Willen eine solche Richtung zu geben, daß sie einst tüchtige Mitglieder der Gesellschaft würden. Indessen kommt es nicht selten vor, daß die Schule als eine bloße Unterrichts anstatt angesehen wird, , in der nur gelehrt und gelernt werde, und die ihre Aufgabe vollkommen gelöst zu haben glaubt, wenn die Schüler nur mit recht vielem Wissen angepfropft aus der Schule entlassen werden. Wer nur dieses Ziel in seinem Wirken zu erstreben sucht, der wird sich mit einem oberflächlichen Segen begnügen müssen, dessen Wirksamkeit, ohne tiefere Wurzeln Lm Gemüthe, bald sich wieder verlieren wird. Die Gelegenheit zur praktischen Anwendung alles in der Schule Erlernten ist bei dem auS der Volksschule ins Leben übertretenden Zöglinge selten vorhanden; das Meiste, wenigstens sehr viel von dem vielen Erlernten verlieret sich wieder da, wo es nicht auf den gediegenen Boden eines sittlichen, auf Selbstvervollkommnung gerichteten Strebens gepflanzt ist, und läßt zuletzt Sei dem Entlassenen nur das Notdürftigste, oft nur ein wenig Schreiben, Lest^und Rechnen übrig. Wie steht es aber mit seiner Wahrhaftigkeit? mit seiner Gewissenhaftigkeit und Treue tn Erfüllung der Pflichten? mit seiner Ehrlichkeit bei anvertrautem Gute und den andern Tugenden im bürgerlichen Leben? mit seinem Glauben und Gottvertrauen, seiner Geduld und Standhastigkeit in den manichfaltigen Wechselfällen des Lebens? Wehe der Schule, wenn sie nicht, als fühlende, liebende Mutter, dieß vor Allem berücksicht! wenn sie nicht schon frühe den edeln Samen heiliger Gefühle in daS zarte Kindesherz einpflanzt! —

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