Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1856)
- Date
- 1856-10-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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272 Unterricht vud Erziehung. Und doch darf die Schule, wenn sie nicht bloS, unbekümmert um Seelenzustände, unterrichten, sondern das Herz erwärmen, den Willen und das Gemüth veredeln, mit Einem Wort— erziehen will, nicht das Falsche wahr, das Unrechte recht, das Ungerade gerade nennen; darf :m Bewußtsem ihres Rechtes im Verfolgen ihres hohen Zieles Wahrheit und Tugend keiner Rücksicht opfern! — Möge Dieses von den Eltern, den oft so thörichten Eltern, auch unter uns Israeliten beherzigt werden! Denn solche falsche, der Schule so viel zu schaffen machende Erziehungsweise findet man gar häufig auch bei uns; Väter und Mütter, die genug gethan zu haben wähnen, wenn sie ihren Kindern Kenntnisse beibringen, sie gut unterrichten lassen; die viel auf äußern Anstand und guten Ton halten, ohne der Richtung des Willens, der Veredlung des Herzens nnd Gemüthes durch eine sittlich stärkende, religiöse Bildung Rechnung zu tragen. O einseitige Erziehung! Da wird wohl der Verstand bereichert, aber arm und seicht bleibt die Quelle, woraus die edlen Entschlüsse und Hand- Fungen hervocquillen. Was sind Kenntnisse ohne Gottesfurcht?! Zn der Weisheit und Sittlichkeit liegt die Kraft und das Heil; ohne sie ist auch der Gelehrteste nichts als eine Denkmaschine. Dieses wollen jedenfalls wir Lehrer und Schulmänner KeLs im Auge behalten. In einer Zeit, die überall aufs Praktische dringt, Wollen wir im wahren Sinne des Wortes Praktisch wirken. Die Schule aber wirkt dann praktisch, wenn sie den Schüler nicht mit einer Menge von Unterrichtsgegenständen überhäuft, so daß die Zöglinge an Geist und Körper verkrüppeln, indem sie beim Vieles lernen nicht Viel lernen, und am Ende von Allem Etwas, im Ganzen aber nichts Rechtes wissen; sie wirkt praktisch, wenn sie zwischen dem Nothwendigen und Nützlichen eine weise Wahl trifft und das erste so lehrt, daß eS länger als die Zeit der Schule dauert, so daß der auS der Schule entlassene junge Mensch sich selber forthelfen kann; sie wirkt praktisch, wenn sie einfach, verständlich, natürlich und gründlich, weniger eine glanzvolle Prüfung, als den Bedarf für'S Leben berücksichtiget. Vorzüglich aber wirkt sie praktisch, d. h. für'S Leben Nutzen und Segen bringend, wenn der Lehrer im Benehmen der Schüler auf Zucht/Sitte und Ordnung hält, auf Religiosität, praktische Frömmigkeit und erziehende Weisheit hinwirkt, nicht mit Scheltworten, mit dem Fluche auf der Zunge, mit dem Stocke in der Hand, sondern durch Milde und rechten Ernst, indem er sich als Lehrer und Erzieher bewähret, nicht dienend um des lieben BrodeS willen, sondern in Liebe und mit Lust, unbekümmert um Lob