Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1856)
- Date
- 1856-10-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3129675-3129764-3129775--1701-3131525- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Unterricht und Erziehung. 269 türe ju geben, die nicht blos den Verstand belehren, fondern auch das Herz veredeln. Auf diese Weise kann die Schule das Gute lehren, und ihre Zöglinge von dem Vorzuge und den wohlthätigen Folgen desselben nach dem Maße der Fassungskrast und Individualität zu überzeugen suchen. » Da aber das Kind erst nach und nach fiir die Erkcnntniß und für die Beurthetlung der Ueberzeugungsgründe reif wird, muß der Glaube an die Wahrheit der Lehre, dasVertrauen auf den erziehenden Lehrer in ihm geweckt werden. Dieß erreicht ^er Letztere durch Liebe, durch Achtungswürdigkeit seiner Person, durch Bekräftigung der mitgetheilten Wahrheiten, resp. Veranschaulichung derselben in seinem eigenen Beispiele. Der Unterricht in einer Schule sei noch so gut, der. Fleiß und Eifer des Lehrers seien noch so ausdauernd, sein Wirken wird kein segensreiches sein, wenn er nicht an sich selbst alles Gelchrte lebendig veranschaulichen wird. Denn man glaube ja nicht, daß das Kind kein Augenmerk auf den Lehrer habe, in seiner Unmündigkeit vorkommende Fehler der Erwachsenen übersehe. Gerade die Unschuld ist der unpartheiischste Richter. Eben so gut, wie sich das lernende Kind an die Schriftzüge des Lehrers gewöhnt, gewöhnt es sich auch an die moralischen Züge desselben. — Die Erkenn tniß ist aber, wenn such der wichtigste und edelste, doch nicht der einzige Bestimmungsgrund zur Bildung des menschlichen Willens. Der gütige Schöpfer hat dem Menschen neben dem Verstände auch noch Gefühl und Empfindung gegeben. Der Verstand ist kalt und berechnend im Verfolgen seines Zieles; das Gefühl nimmt mit Wärme das Gute und Evle auf; das Herz schreckt nicht zurück bei Hindernissen, sondern sucht sie zu bewältigen, scheut nicht Mühen und Opfer, und fühlt darin gerade die Größe der Tugend. Die zweite Aufgabe der Schule ist also, daS kindliche Gefühl zu beleben für Gott und alles Gute und Edle, und abzuschrecken von dem Bösen. Es ist dieß von dem Unterrichte kein getrenntes Geschäft, im Gegentheile innigst mit demselben verbunden. Die Wahrheit ist auch Sache des Gefühls. Auch hier sind wieder die Gebote der Religion geeignet, das Gefühl zu erwärmen, für daS Gute aufopfernd zu begeistern, und dieß geschieht wieder um so erfolgreicher, wenn es auS einem warmen Herzen kommt. „Was vom Herzen kommt, geht wieder zum Herzen!" Das kalte Wort läßt kalt, daS mit Wärme vorgetragene erzeugt wieder Wärme. Selbst Verweis, Tadel und Strafe, wenn sie nicht aus Zorn und Rachsucht, sonders sus einem woblwol-