Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Volkslehrer · 1856-09-01 · Heft 9 (September 1856) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 9 (September 1856)
Date
1856-09-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3129675-3129764-3129774--1685-3131508
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Das Schulwesen in Frankreich Herr Springer thut für die lebenden Sprachen, was die gelehrten Schulen seit Jahrhunderten für'S Latein thun. Französisch, englisch, deutsch, spanisch, italienisch werden von den fähigsten Mannern, und zwar theoretisch und praktisch unterrichtet und so zu sagen gehandhabt, so daß kein Schüler in diesem Augenblicke in der Anstalt ist, der nicht drei Sprachen verstünde (mehrere sogar 4) und in denselben sich leidlich auszudrücken vermöge; und daS ist daS Resultat von kaum 2 Jahren! Zu welcher Hoffnung darf man berechtigt fein, wenn der Director einmal im ganzen Besitze seiner Methode ist und die Kunst völlig erlangt haben wird, seine Lehrer, die alle nach seiner Methode unterrichten müssen, rasch heranzubilden! Denn dem letzteren Umstände hauptsachlich verdankt man die außerordentlichen Resultate von denen die Eltern nicht müde werden, uns zu erzählen. Kein Lehrer ertheilt eine Aufgabe, die nicht vorher, und zwar in ihrem Zusammenhange mit den vorangehenden, vom Director geprüft und oft verändert wird; kein Lehrer der fremden Sprachen darf während der Lehrstunden sowohl, als im Hause, eine andere als seine Muttersprache sprechen, und fast alle werden so gewählt, daß sie sich in der Unmöglichkeit befinden, sich in einer ihnen fremden Sprache auszudrücken. Ihnen ist der praktische Theil des Sprachunterrichts anvertraut; für den theoretischen, hauptsächlich die Versionen, sind Lehrer da, die der fremden und der franzosischen Sprache völlig mächtig sind. Aufdiese Weise hofft Hr. Spr., Knaben, . die ihm mit dem 8. oder 9. Jahre übergeben werden, im Verlaufe von 5 bis 6 Jahren in Besitz von wenigstens 4 Sprachen zu bringen; und wer den dramatischen Abendunterhaltungen, die von Zeit zu Zeit in der Anstalt vor einem sehr zahlreichen Publikum stattfinden, angewohnt hat, während welcher die Knaben sich fortwährend in mehreren fremden Sprachen ausdrücken, der wird nicht zweifeln, daß das vorgesetzte Ziel zu erreichen ist. So viel von dem Sprachunterrichte. Neben diesem wird ein Hauptaugenmerk auf prakt. kaufmännische Korrespondenz in allen von den Schülern erlernten Sprachen, auf kaufmännisches Rechnen un^Much wie auf alle damit zusammenhängende Kenntnisse, wie Conto-Corrente, Wechsel- und Steatspapierkunde, Facturen ,c. gerichtet. AlleS dieß wird aufs Praktischste getrieben. Knaben von 12 Jahren rechnen daselbst mit gleicher Leichtigkeit mit Pfund Sterling, Gulden, Thalern. Piastern, als mit Franken Algebra, sogar Geometrie, werden, zur Schärfung des Geistes, nicht vernachläßigt. Geographie, besonders Handelsgeographie, gehört, so wie Schönschreiben, zum Programm der wesentlichen Lehrgegenstände.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.