Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 9 (September 1856)
- Date
- 1856-09-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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und die Handelsschule des Herrn Springer. 255 Um aus der Bildung der Knaben keine einseitige, praktisch trockene zu machen, ist aufs Beste für Literatur, schriftliche Aufsatze, Geschichte, Declamationsübungen in mehren Sprachen, für das Studium der physikalischen, naturgeschichtlichen Wissenschaften. Zeichnen, jedoch nur in der Weise gesorgt, daß dieselben, als den Hauptgegenständen untergeordnet, nicht mehr Zeit beanspruchen, als sie ohne Beeinträchtigung jener, nehmen dürfen. Die raschen Resultate dieser Methode haben sich an mehren in diesem Jahre bereits ausgetretenen Schülern glänzend bewiesen; dieselben sind in hiesige Geschäfts- oder Bankhäuser eingetreten, und konnten sofort als brauchbare Subjekte verwendet werden. Hand in Hand mit dem Unterrichte geht die im eigentlichsten Sinne genommene Erziehung der Eleven; und dies ist, wie Hr. Spr. uns oft versicherte, der schwierigste Theil seiner Aufgabe. Wer die lebhafte, jeder Disciplin feindliche Natur des franz. Schülers kennt, wird dieses leicht begreifen. Hr. Springer wird hierin von seiner Frau Gemahlin insbesondere unterstützt. Diese Dame sucht in jeder Beziehung den Eleven die Abwesenheit der sorgsamen Mutter möglichst unfühlbar zu machen. Den Schülern wird bei'm geringsten Unwohlsein, besonders aber Schülern schwächlicher Natur, die zärtlichste Sorgfalt und Aufmerksamkeit zugewendet. Auf Alles wird geachtet; die Haltung bei Tische sowohl als im Hause während der Arbeit und des Spieles. H. Spr. verläßt seine Schüler nie und lebt unter ihnen vom frühen Morgen bis sie zu Bette sind; so daß ich, als ich das erstemal die Anstalt besuchte, wirklich glaubte, in Mitte einer zahlreichen, die liebenden Eltern umgebenden Familie mich zu befinden. — Dieses intime Zusammenleben mit den Schülern macht daher auch die schwierigste Anwendung materieller Disciplinarstrafen meist unnöthig. Hr. Spr. liebt die Jugend, und hat mir mit strahlendem Gesichte Knaben vorgestellt, die durch ihre außerordentlichen Fortschritte und ihr gutes Betragen ihm vollen Ersatz für seine endlose Mühe gewahren. Liebe zu den Kindern, die intelligente väterliche Liebe, ist aber die erste Bedingung für einen Erzieher. Hr. Spr. wendet sich stets an das Herz und den Verstand seiner Schüler; wie ein Vater seinen Kindern, redet er ihnen ein; lobt besonders und öffentlich, die des Lobes werth sind, und tadelt strenge im Familienkreise die, welche Tadel verdient haben. Nie verbirgt er auch nur einen Theil der Wahrheit den Eltern, da diese das größte Interesse haben, den Charakter ihres Kindes zu kennen. Monatlich werden den Eltern Noten über Alles zugeschickt, was die geistige, mora-