Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 9 (September 1856)
- Date
- 1856-09-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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und dle Handelsschule des Herrn Springer. 253 Schulen übersteigt. Seit einem Jahre aber hat sich der Ruf dieser Schule so allgemein verbreitet, daß jetzt das französische Element in derselben das vorherrschende ist —Sagen wir es ohne Schmeichelet, ohne die Reclam-Posaune anzustoßen, der Ruf der Anstalt ist ein verdienter. Und nuy wird uns das Publikum Dank wissen, ihm die Gründe dafür auzugeben. Vor Allem einige Worte über den Direktor der Schule selbst. Denn er ist der Gründer derselben, die Seele des Ganzen. Herr Springer ist ein tüchtiger Philologe, denkender Pädagog und. was noch mehr ist. ein mit 20jähriger Erfahrung ausgestatteter Schulmann Er hat bei Gründung seiner Schule das wahre Bedürfniß unserer Zeit erkannt, und hätte vor 10 Jahren schon, rvie er es beabsichtigte, eine solche Anstalt hier ms Leben gerufen, wäre er nicht dyrch eine gute und ehrenvolle Stelle in der Provinz davon abgehalten worden. — Mit der ihn characterisirenden männlichen Energie zu Werke gehend, und kein Opfer scheuend, um zu seinem Ziele zu gelangen, hat er seinen 12 Schülern gleich Anfangs sieben, jeder in seinem Fache, tüchtige Professoren gegeben, und so in wenigen Monaten wahre Wunderdinge vollbracht. Knaben, die beim Eintritt kein Wort Deutsch noch Englisch kannten, haben nach 4 bis 5 Monaten nicht allein diese Sprachen verstandensondern sich aych in denselben schon ziemlich leicht ausgedrückt. Die Erwähnung dieses Umstandes bringt uns nun auf den Hauptpunkt dieses Artikels: den Schulplan der Anstalt. Pieselbe Entspricht gänzlich dem Zwecke ihrer Benennung, und macht sich zur Aufgabe die Heranbildung künftiger Geschäftsmänner. Herr Spr. geht von der Idee aus, daß in unserm Jahrhundert, wo sich daS Sprüchwort zu bewahrheiten scheint: „die ganze W?lt nur eine Stadt," das Studium der lebenden Sprachen die Basis allen kaufmänu. Wissens ist. Was die alten Sprachen dem Gelehrten, daS sind die neuern dem Kaufmann, dem Fabrikherrn.: jq, letztere haben noch eine ganz andere Wichtigkeit für die. welche derselhen fast zu jeder Zeit bedürfen, als erstere für den Richter, Notar oder gar Mediziner. Wie schwierig übexdieß lebende Sprachen für erwachsene Personen zu erlernen sind, weiß jeder; Kinder lernen sie spielend richtig sprechen und schreiben, Erwachsene fast nie. Und dennoch schicken wir unsere KLnher ins Gymnasium vom 8. bis zum 18. Zahre, um sich daselbst vom Morgen bis zum Abend das Lateinische ynd Griechische zum Eckel zu essen, während einige Stunden wöchentlich für daS Französische und Englische für Heu zum Kaufmanne bestimmten Knaben für genügend gehalten werden, um dem Geiste der Zeit zu huldigen!