Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1856)
- Date
- 1856-07-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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SIS Rundschau.' keu zu merkantilischer Wichtigkeit fich emporschwangen, jenes Rechtes theilhaftig wurden, so finken bei der gegenwärtigen Zersetzung der Berkehrsverhältniffe und Handelswege, manche frühere große LsnMvtK zu kleinen unbedeutenden Fiseandim herab, während in Städten, die vor SO Jahren noch ihre Thore vor den Juden hermetisch perschlossen hielten, und diese «ur unter Geleitsöriefen und Leiözoü eintreten ließen, jeyt aber vom Geist eiuer besseren Zeit angeweht, und vom richtigen merkantilen Calcul geleitet werden, mehr und mehr selbstständige jüdische Kirchengemeinden fich bilden und heranwachsen. Ein solches Beispiel bietet die Reichsfestung Ulm, die politisch-commercielle Metropole Oberschwabens. Ulm war früher, im Mittelalter, eine bedeutende jüdische Gemeinde. ES gibt heute noch eine eigene Judenstraße, mit daranstoßendem freien Platz, »Judenhof" genannt. Hier zeigt man noch dem Reisenden das HauS, worin die Judenschule, daS Haus, worin daS Fraueubad, die JudennHetzgerei fich befand. Im Münster befinden fich mehrere Grabsteine mit hebräischen Inschriften,die aufdaS 14.Jahr, hundert zurückdatiren. Zwei von diesen besterhaltenen Grabsteinen wurden vom StiftungSrath abgegeben, welche nun in den beiden vorderen Nischen des vor drei Jahren neu angelegten jüdischen Friedhofs, in dessen schöne Pforte daS bedeutungsvolle IX (2es. eap. 38) eingehauen ist, als Denkmal der au die Gegenwart anknüpfenden Vergangenheit angebracht find; solche Grabsteine finden fich überall in der Stadt zerstreut. Nachdem die Gemeinde seit 1845 fich von verschiedenen Seiten her recrutirt hatte, wurde ein eigenes Betloeal errichtet, eine Religionsschule inftituirt. Bis jetzt bildete dieselbe ein Filial der nächstbenachbarten Kirchengemeinde Laupheim. Nachdem nun aber das Filial über 30 Familien zählte und alle Requisiten einer Gemeinde fich erworben hatte, strebte dasselbe seine gemeindliche Selbstständigkeit an. Jüngst nun wurde das CorpsporationSrecht von der Behörde verliehen, das Filiale zur selbstständigen Kirchengemeinde erhöht, der bisherige Gemeindeverband mit Laupheim aufgehoben, während der bisherige NabbinatSverband für fortbestehend erklärt wurde. Indem wir derselben zu dieser Selbstständigkeit-Erklärung gratuliren, wünschen wir nur, daß ein schönes gedeihliches. religiöS-fittlicheS Ge» meindeleben unter der Aegide der neu gewählten Gemeindeverwaltung in ihr Platz greife. Ulm, die Pulsader des süddeutschen Verkehrs, in der Mitte der wichtigsten Eisenbahnstraßen nach allen Weltrichlungen gelegen, an die Mauern der Schweiz und Italiens gelehnt, ein Mittelpunkt zwischen dem Osten und Westen, hat als Handelsplatz eine große Zukuust vor fich, und die jüdische Gemeinde daselbst dürfte bei der anerkennenSwerth bürgerfreundlichen Auffassung der Verhältnisse Seitens der politischen MagistratS-Collegien nach einem halbe». Jahrhundert zu den größeren Süddeutschlands zählen. (Wir fügen unserseits unseren herzlichen Glückwunsch bei, freuen uns, in dem Lehrer der jungen Gemeinde einen strebsamen Mann kennen gelernt zu haben (vg5 Mai-Heft, Nr. 2S), und zweifeln nicht daran, daß dieselbe unter der