Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1856)
- Date
- 1856-07-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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im Tempel p» New-Iork. L07 hinein das Gebetbuch an Einheit und Einfachheit bedeutend gewonnen habe. — Die für den Versöhnungstag, welchem ein eigner Band gewidmet ist, aufgenommenen Piutim sind theils dem deutschen, theils dem portugiesischen Rituale entnommen und fämmtlich von schöner Form und reinem Inhalte. Zum Vorlesen aus der Tora für blineda des Sühnetages ist statt der eine andere Stelle gewählt, nämlich 2. B. M. 33, 12. In der Westend-Svnagoge in London liest man dafür: 5. B. M. 30, 1—20; in Breslau liest man statt dessen im 3. B. M 19, 1 u. w. — Wir können Dieses nur entschieden tadeln; in der Wahl der Toravorlesungen sollte jedenfalls die alte Einheit gewahrt werden. Das ist das äußere Motiv, welches wir gegen diese neue Einrichtung geltend zu machen haben. Ein inneres Motiv liegt darin, daß wir die hohe Stimmung des Versöhnungstages, die jeden unreinen Gedanken ferne hält, für ganz geeignet halten, die betreffenden Gesetze vorzuführen, um Israels sittliche Weihe zu erhalten.— Gebete und Gesänge in vaterländischer Mundart sind in dem New-Dorker Gebetbuche gar nicht enthalten; der Verfasser und Herausgeber, unser würdiger und wackerer College vr. Merzbacher, spricht sich in der Vorrede dagegen auS und meint, daß zweierlei Sprachen in demselben Gottesdienste sich wechselseitig beeinträchtigten. Wir können ihm hierin nickt beistimmen. Je seltener die Kenntniß der hebräischen Sprache im Volke wird, desto mehr wird sich die Notwendigkeit, der Muttersprache in der Synagoge Raum zu gewähren, überall geltend machen. Dieses gestand mir auch ein einflußreiches Mitglied der Tempelgemeinde zu New- Aork, das mich jüngst mit seinem Besuche beehrte, selbst zu. EZ bliebe dann nichts übrig, als die vollständige Verdrängung deS Hebräischen: Dieses aber hat bis jetzt keine jüdische Gemeinde in der Welt gethan. und wird auch, will's Gott, nie geschehen.— In dieser Weise hat das neue Gebetbuch der deutschen Resormgemeinde zu Baltimore (Har-Sinai-Gemeinde) das Bessere gewählt und einen Wechsel der hebräischen und deutschen Gebere instituirt. Es ist dabei zu bedauern, daß beide Gemeinden sich nicht über einen gemeinsamen Ritus verständigten. Der Einzelne allein sollte in so wichtigen Dmgen seinen Ideen nicht unmittelbar practische Geltung verleihen. Mögen ihm jene an und für sich noch so gut scheinen, so sollte doch in den Gebetbüchern nur Dasjenige reformgültig sein, was in der Wissenschaft klar gesprochen und durch den Verein Mehrerer avoprirt ist. Diese Norm haben wir bicher fest geyalten. Das Gebetbuch von Baltimore