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Der israelitische Volkslehrer · 1856-06-01 · Heft 6 (Juni 1856) · page 26

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 6 (Juni 1856)
Date
1856-06-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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Ruudfcha«. da sei, um ihn zu ersetzen. Das RabbinatSamt in unserer Zeit ist auch so wenig lohnend, so wenig anlockend, mit zu viel Widerwärtigkeiten und Kämpfen verknüpft, mit zu vielen Opfern verbunden, als daß fich die heutige Jugend all diesem zu unterwerfen geneigt wäre, und wenn irgenwdo, so ist hier die Klage der Alten anwendbar: ^N2NVV 8*7! ^128N 5üN- Rabbiner Grünwald wurde geboren in Stuttgart, wo ehemals seine Eltern wohnten, aber von da nach Mühringen zogen, wo er schon in der Jugend geistige Befähigung und Neigung für die rabbinische Laufbahn an den Tag legte. Er bezog die damals noch stark frequentirte jüdische Hochschule Fürth, wo er zu den graduirten Hochfchülern gezählt wurde. Die meisten heutigen Rabbinen in den süddeutschen Ländern find seine Fürther Studiengenossen, mit denen er theilweise in wissenschaftlichem Verkehr geblieben. Nachdem er auch die Universitäten Würzburg und Tübingen absolvirt hatte, wurde er von den damaligen Gemeinden des RabbinatS-BezirkS Braunbach zu ihrem Rabbiner aufgenommen. Sein gerader Sinn, seine ohne Scheu dargelegten Ansichten verursachte ihm Anfeindungen aller Art, er ließ fich aber dadurch keineswegs beirren. Im Jahre 1635 vor der vorgesetzten Dienstbehörde nach Lehrensteinsfeld berufen, hatte er nicht minder Kämpfe zu bestehen, die ihm manche bittere Stunden bereiteten. Doch fand er bei seinen Freunden, die ihn näher kannten, desto mehr Anerkennung und Aufmunterung. Erst in der Gemeinde Freuventhal, wohin er 1842 berufen wurde, in den letzten Jahren, wo mehr Ruhe an Stelle der früheren Beweglichkeit getreten war, gewann er die Genugthuung, daß sein Streben und Wirken anerkannt und gewürdigt wurde. Er vertrat aber auch in jeder Beziehung das Interesse, das religiös moralische Wohl der Gemeinde und der Schule von Herzen, und er war auch der Mann, der sich durch Hindernisse von einer guten Sache nicht zurückschrecken ließ. Ein tüchtiger Thalmudift, war er in der jüdischen und allgemeinen Literatur sehr bewandert. Von verschiedenen Seiten wurden ihm kasuistische Fragen tNI^^I zur Entscheidung zugesendet und seine Entscheidung galt als Autorität. Vom ersten Tag des ErlosungSfesteS an fühlte er sich unwohl, nachdem er an diesem Tage durch eine gehaltvolle Predigt seinem Berufe nach obgelegen, wie fich denn der Verstorbene in dieser Beziehung nicht schonte, und man kann sagen, es wurde an ihm das göttliche Wort erfüllt: VN^ ^2d!N *^Sd5 N)?s2 „im Schweiße deines AngefichtS sollst du dein Bröd essen." Alle angewandte Hilfe war vergeblich; am 12. d. M. entschlummerte er hinüber zu einem besseren Leben, um dort zu ärndten, was er in einem 3Vjährigen Berufsleben unter Mühen, Kämpfen und Widerwärtigkeiten gesäet. Auch bei mehreren allgemeinen Fragen, die die sämmtlichen jüdischen Gemeinden des Landes betrafen, ergriff er die Initiative, wovon die landtäglichen Register Zeugniß ablegen. Möge sein Andenken im Segen und in Ehren bleiben.

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