Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1856)
- Date
- 1856-06-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3129675-3129764-3129771--1593-3131413- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
und dle Handarbeit 1S7 Ich will die auS der Geschichte bekannte Thatsache nicht wiederholen, daß daS israelitische Volk früher zu einem Ackerbau treibenden bestimmt war, als welches es der gewöhnlichen Handwerke unter sich bedürste, und daß eS erst später, als ihm sowohl die Erwerbung von Grundbesitz, als jede ordentliche Handthierung zu erlernen und zu betreiben versagt war, gewaltsamer Weise dem Nothhandel zugeführt wurde, wie ich dies in meiner gekrönten Preisschrift über die „religiöse Grundlage beim Volksunterricht" (S. 77 u. 78) näher erörterte. Hier möchte ich nur darauf hinweisen, wie gerade dieses, so zu sagen, unser „Kolutd" verlängert, daß in neuerer Zeit, seitdem unsere Landesregierungen bemüht sind, uns von dem bezeichneten Handel immer mehr abzubringen und unseren ursprünglichen, ordentlichen Beschäftigungen wieder zuzuführen, — beiläufig gesagt was von noch manchem Israeliten VN^'Z VN'MId! welche die Handlungsweise ihrer Eltern noch vor Augen und in Händen haben, sogar als eine Art »kisekus« bezeichnet wird, — nicht selten der Vorwurf trifft: Q'S12 LDNtt LD'S'») „Ihr seid müßige Leute." (2. B. Mos. 5, 17.) Ihr wollet der Bienendrohne gleich vom Fleiße Anderer leben und nicht selbst Hand an's Werk legen, weßwegen es die meisten vorziehen ein Gewerbe zu ergreifen, das bei geringer Mühe und Kraftanstrengung einen größeren Nutzen und Gewinn in"Aussicht stellt*). *) Wir dürfen diese, so unbedingt hingestellte und nicht widerlegte Anklage unserer Gegner unserseits nicht hingehen lassen, ohne das Urtheil von der anderen Seite in die rechten Gränzen zu weisen. (5s darf die Erscheinung, daß die Israeliten sich immer noch verwaltend dem Handel zuwenden, nicht wie es hier geschieht, lediglich der Scheu vor der eigentlichen Arbeit zugeschrieben werden. Der Handel ist bei den Zuden eine Tradition; sie wurden auf denselben hingewiesen zu einer Zeit, wo derselbe noch verachtet war; welch eine Zumuthung, daß sie denselben aufgeben sollen, zu einer Zeit, wo er das Emvorium der Welt geworden? — Doch jede Einseitigkeit schadet; und so ist die einseitige Richtung, welche die fast ausschließliche Ergreifung Eines und desselben NahrungSzweigeS bei den Unserigeu nothwendig hervorbringt, gewiß zu bedauern; nur können wir nicht zugeben, daß daraus eine Anklage gemacht werde. Jedes Bestreben aber, da» darauf ausgeht, unseren Glaubensgenossen Handarbeit und körperliche Thätigkeit lieb zu machen, begrüßen wir mit Freuden, und wünschen daher auch den Vorschlägen des Herrn Hofheimer, welcher unseren Lesern bereits vortheilhaft bekannt ist, die allseitigste Zustimmung und praktische Förderssg. L. S.