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Der israelitische Volkslehrer · 1856-05-01 · Heft 5 (Mai 1856) · page 38

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 5 (Mai 1856)
Date
1856-05-01
Page
– (sequence 38)
Language
German
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Rundschau. Ankalten zu lenken. — Mit Befriedigung melde ich Ihnen nun, daß der hiesige Borsänger Ad. Braun schweig, ein angenehmer, junger Mann i früher in kiddssnviU« im Elsaß) einen Sängerchor hier gebildet hat. der seine Aufgabe, trotz mancherlei Hindernisse, recht gut zu lösen sucht. Schade nur, daß derselbe, statt der früher hier so beliebten und volksthümlichen Gesänge aus Sulzer'S „5edir 2ion," die zwar schönen aber schwierigen Melodien aus Naumbourg's „Ssmiiord 5isrnv1'< gewählt hat. Letztere erfordern einen größeren Chor und eine größere Synagoge, als die unserige, in welcher der beschränkte Platz für den Chor dicht vor dem üeedal sich befindet, und derselbe daher wider die Wand ansingt, die Synagoge auch mit schlechter Akustik gebaut ist. Aber wird es nur Ernst mit dem besseren Geiste der hier herrschen werden soll, so wird auch eine neue Synagoge hier erstehen; vorerst ist freilich daran nicht zu denken, so lange nicht der alte Geist der Parteisucht, der Ausschließung und der Finsterniss gänzlich verschwindet.— Wien, M itte Avrll, 1856. — DaS größte Interesse auf jüdischem Gebiete erregt jetzt hier der Predigerkam^f Es ist jedenfalls ein eigentümliches Schauspiel, die Herren zu sehen, wie sie sich Präsentiren*). Jeder thut das Möglichste um zu gefallen, um d«-:l Sieg davon zu tragen, und doch kann nur Einer den Kran; erhalten. Es sind die Schwierigkeiten hier für einen Fremden, der die Verhältnisse nicht kennt, außerordentlich Dazu kommt noch die wichtige Frage, was kann Eine Predigt entscheiden? Man glaubt sie könne den Maßstab für das Minimum der Befähigung des Kandidaten abgeben. Wer aber wollte sagen, der Eine habe das Minimum seiner Kraft gezeigt, während man auS praktischer Erfahrung weiß, daß man bei solchen Gelegenheiten bemühet ist das Maximum;n bieten und keines der Mittel unversucht läßt, wovon man nur zum Theil glaubt, daß es nützen könne? — Ungerecht wäre es aber auch gewiß aus Einer Predigt die ganze Spann- und Tragkraft eines ManneS bemessen zu wollen. Schon der alte Goethe sagte: „Zur rechten Zeit fällt Einem nie was ein, „Und was Gutes kömmt meist hintendrein.» Wem ist eS nicht bereits geschehen, daß er ein glückliches Thema gefunden zu haben glaubte, hinterher aber stellte eS sich heraus, daß man einen Fehlgriff gemacht hatte? — Es haben bis jetzt vier Herrn die Probepredigt gehalten (vr. Meisel. M. Sänger, vr. Landsberger und vr. Joel) keiner aber hat begeistert, keiner enthusiasmirt, keiner, wie man daS nennt, bat durchgegriffen. Ich will keine Bedenken daran knüpfen, in wie ferne überhaupt der Nachwuchs zu großen Hoffnungen berechtigt. Ick glaube aber die Herren 6« veMs werden die Herren äs Ivnäevaain weit übersiügeln. Doch vielleicht täusche ich mich und eines Tages tauchen plötzlich neue Salomon, Mannheimer, Philippson. Geiger. Sachs :c.!c. auf. -Soviel scheint gewiß, man hat bei d-?r Eoncurrenz-AuSschreibung auf andere Männer gehofft, die auf dem Wahlvlatze erscheinen werden. — Indexen noch ist nicht aller Tage Abend. Noch stehen unS einige Probeprevigteu in Aussicht und zwar zwei oder drei. Es ist nämlich noch fraglich, ob außer de.l Herren Fürst*») (ans Eldingen in der Schweiz) und *) Wir können nur mit großer Genugtuung die folgende Schilderung lesen, indem fle vollständig bestätigt, waS wir im v.J. iad. Bl. über den gewöhnlichen ModuS bei Rabbi- »erwählen geiagt und über die bedauerliche, an Unwürdigkett grämende Situation geklagt haben, m welche viele würdige Männer durch obigen ModuS versetzt zu werden pflegen. — . D. Red. —) Derselbe wird, nach «euesten bri-ffichen Mitteilungen, feine Probepredigr ieyt bereits »vgehälte» Hab«!». — D. Red.

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