Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1856)
- Date
- 1856-05-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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ßKH / R«ßla»d, i«4b«sondm Odessa '/ richt der öffentlichen Schule und zeichnet sich durch Fortschritte a«S Aber nach dem Ausscheiden der Mädchen auS der Schule tritt yft ein Widerspruch hervor, welcher die widrigsten Mißverhältnisse erzeugt. Freisinnig erzogene Töchter stehen unter streng religiösen Vätern; fleißige Mütter sind von Töchtern umgeben, deren gebildete Sprache sie nicht verstehen und die mehr dem Lesen zugethan sind, als dem Hauswesen; ein Zustand, der indeß, wie das jüngere Geschlecht heranrückt, von selbst sich ändert. Dagegen fährt daS Pensionswesen für reichere Familien, einen bedauerlicheren Mißstand herbei, indem man in den Penstonen dem Religionsunterrichte fast gar keine Aufmerksamkeit zuwendet, so daß die Mädchen in Sprachen und Schulwissenschaften wohl unterrichtet werden, von der Religion aber so gut wie nichts wissen. Daher denn auch ein Streben nach äußerer Geltung, übertriebene Lust nqch LuruS und sehr häufig selbstverschuldeter Untergang sonst achtbarer Familien. Wir übergehen, was der Verfasser von dem Handel und der Betriebsamkeit in Odessa berichtet, manche Licht- und Schattenseiten hervorhebend, und verweilen nur noch bei einem Sittengemälde von entschiedenem Gegensatze: der Schilderung einer Hochzeitsfeier in neuerem und einer in altherkömmlichem Geschmacke. Wir geben sie mit den Worten des Verfassers: _______»Es ^lst^ Uhr. Nicht weit von hier, in einem Häuft der Straße Richelieu feiert ein wohlhabender Freund von mir seine Hochzeit. Treten wir ein. Eine Menge Gäste, alle festlich angethan; die jungen Leute elegant gekleidet, zum Theil in schwarz, mit feinen Handschuhen und Schuhen, zum Theil als Studenten in Lyceen- oder Gymnasien-Uniform, bewegen sich in einem schön ausgestatteten Räume. Man plaudert, raucht, ergötzt sich, während der Bräutigam die Gäste zu empfangen hat. In einem anstoßenden großen Saale sitzen die Damen, still und erwartungsvoll; alle sehr sorgfältig nach den Anforderungen der neuesten Zeit gekleidet. Die Braut, reich geschmückt, in weiß seidenem, mit Spitzen besetztem Gewände, die Haare in wallenden Locken, sitzt auf einem Lehnsessel, umgeben von blühenden jungen Mädchen yyn schlanker und anmuthiger Gestalltes sind ihre nächsten Verwandten und Freundinnen. Der Bräutigam tritt ein, von den dienstthuenven Personen begleitet, er wirft einen Schleier über das Haupt der Braut, und die Damen bewerfen ihn mit Blumen. Plan genießt einige Erfrischungen, varauf setzen sich die Gäste zu ihre Wagen und fahren nach der Synagoge, wo der Brauthimme! errichtet und Alles für die Trauung vorbereitet ist. Pex Chor stimm: einen Gesang an; die Brautleute und ihre Der-