Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1856)
- Date
- 1856-05-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Rußland» insbesondere Odessa nicht fehlen, eine Einheit zu bilden war unter solchen Elementen schwerer. Man stellte zwar eine gemeinsame Verwaltung her, legte eine Tare auf Fleisch, sckuf mit den Einnahmen eine Armenkasse und ein Krankenhaus und sorgte für den dringendsten Bedarf, aber gleichzeitig übte der Vorstand äußerste Strenge gegen die, welche im Geringsten die Gebräuche verletzten, und behandelte den kleinsten Leichtsinn als Verbrechen. Schulen und Rabbinate waren kläglich, wie im tiefsten Polen. Einen bedeutenden Aufschwung bewirkten endlich die unternehmenden Brodier, welche die ersten Handelshäuser ausmachten, und durch ihre Verbindungen mit den größten Handelsstädten des In- und Auslandes eine ungemeine Geschäftstätigkeit hervorriefen. Fürst Woronzoff beachtete deren Geist und die allgemeine Achtung, weicher sie sich erfreueten, und veranlaßte. daß ste an die Spitze der Gemeinde gestellt wurden. Die nächste Folge war außer der Ordnung in der Verwaltung, die Einrichtung guter Schulen und der zunehmende Sinn für Bildung. Seit 1823, da die größere Schule gegründet ward, schwindet der Einfluß deS finsteren Rabbinismus und des noch düsterer Hassidismus immer mehr, und die Gemeinde nimmt ein europäisches Ansehen an. Die Schule verdankt ihre Errichtung und ihren Schutz gegen Widersacher dem Wohlwollen des Fürsten Woronzoff, welcher die Regierung dahin zu bestimmen wußte, daß sie die ^Gründer der Schule, Pinsker, Fintel und Hurwitz auf alle Weise begünstigte, welche endlich am 6. November 1826 unter der Leitung des tüchtigen Sittenfeld, eröffnet ward. Man unter richtete hier, außer den Religionsquellen, in allen Zweigen der höheren Schulbildung; die Jugend wetteiferte im Fleiße; bald traten wohlgebildete Jünglinge und sogar Lehrer aus ihr hervor. Die Theilnahme für dieselbe wuchs mit jedem Jahre. Die früheren Gegner wandelten sich in Freunde, die Vorurtheile schwanden, der Sinn für Arbeit nahm zu. die Beschäftigungen theilten sich nach Maßgabe der Anlagen; die ganze Volkssttte war bald umgeschaffen. Der Kaiser selbst nahm die Schule im Jahre 1837 in Augenschein, und bezeigte seine höchste Zufriedenheit mit den Leistungen und der sichtlichen Wirkung der Anstalt. Sittenfeld war schon 1829 gestorben an seine Stelle war B a sil(Bezalel) Stern getreten, ein Mann von umfsffenden Kenntnissen und festem Charakter. Seinem KLnstuffe verdankte die Schule ihr rasches Ausblühen. Woronzoff veranlaßte ihn, auch eine Schule in Kischeneff zu gründen, und bediente sich seiner Fähigkeiten zu verschiedenen Misstonen, deren er sich so ehrenhast entledigte, daß der Kaiser ihm das erbliche Ehrenbürgerrecht ertheilte. Die Gemeinde zu