Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 4 (April 1856)
- Date
- 1856-04-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3129675-3129764-3129769--1534-3131352- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
»» Eleveland. Fragen den Orthodoren vorgelegt werden: „warum habt ihr die Capparoth abgeschafft? Warum habt ihr das Hamanklopfen eingehen lassen? Sind sie nicht im Coder vorgeschrieben? „könnt ihr nie eine bestimmte Antwort erhalten. Sie suchen immer mit einigen hochtönenden Phrasen der Erwiederung auf dieses „Warum?" auszuweichen, und anstatt offen zu erklären: diesen Gebrauch haben wir aus diesem Grunde abgeschafft, und den anderen werden wir aus jenem Grunde beibehalten, kommt ein Geschwätz über religiöse Konsequenz, ein Prahlen mit religiösem Eonservatismus zum Vorschein, obgleich die orthodoxe Partei selbst <Ze iueto sehr viele Gebräuche, die früher als heilig und unverletzlich gegolten, abgeschafft hat. Und so lange wir nicht eine ehrliche, offene und entschiedene Antwort erhalten können, mag das System die vorsetzlich verblendete und unwissende Masse des Polles täuschen, nicht aber diejenigen, welche sich nicht in einem fe^- lerhaften und unverständlichen Cirkel herum führen lassen ^vllen. Oder sollen wir vielleicht auf der Meinung bleiben, daß die Entscheidungen, der ganze Umfang von Porschriften des Schul-! chan-Aruch in der That unveränderlich sind; daß wir argc^ Sünder sind, wenn wir die einen übertreten, die anderen abändern, und daß die Zeit kommen muß und wird, wo das Ganze in allen seinen einzelnen Details streng eingeschärft und befolg: werden wird? Nimmermehr! Der Schulchan-Aruch in seiner Gesammtheit ist nicht unveränderlich, denn ist jedes Wort ves^ Schnlchan-Aruch, wie er hcutc in unserem Besitz ist, von biblischem Ursprung? Sicherlich nicht, und wir bieten Jedem Trotz,, der eine solche Absurdidät zu behaupten wagt. Oder ist der ganze Compln, wie wir ihn lesen und erklären,?on Lalmudischem Ursprung hergeleitet? Wiederum sicherlich nicbt; denn die fortwährenden Erschwerungen stehen manchmal in offenem Widerspruche! mit dem Worte, Sinne und Gesetze deS Talmuds, und der Re mah und seine Nachfolger haben das Gesetz lästiger und mit dem täglichen Anforderungen des Lebens unverträglicher gemacht, als alle seine Vorgänger zusammen. Und wir bieten wiederum einem^ Jeden Trotz, welcher däS Gegentheil behaupten und nickt jedes! Wort dieser Stelle unterschreiben will.