Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 3 (März 1856)
- Date
- 1856-03-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3129675-3129764-3129768--1511-3131328- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Rundschau. 87 der kömglichen Familie vierherkommt und die Bürger für den hohe» Gast ein Fest geben, stehen gewöhnlich mehrere Juden an der Spitze und fungiren als Wirche. —Die Ausschließungen, die vsch in politischer Hinsicht für die hiesigen Juden bestehen, baden wir die Hoffnung bald verschwinden zu sehen. Zum Lob der hiesigen Juden muß gesagt werden, daß sie selbst sehr thätig dafür arbeiten. (Wir müssen der Wahrheit die Ehre geben, daß wenn auch unser verehrlicher CorreSrondenr im Rechte ist, daß die bezüglichen Beschränkungen nichts mit dem Geiste zu thun haben, der sich bei der Synagogen-Einweihung dort so schön manisestirt hat und seine Berichtigung das dankenSwerthe Verdienst bar, nnS über die-günstigen socialen Zustände unserer Brüder in Schweden aufzuklären, doch in der Hauptsache der betreffende Satz seine Richtigkeit behält, daß Schweden leider noch zu den Länt dern gehört, „wo noch so viele gesetzliche Beschränkungen auf den Israeliten lasten.- Namentlich involvirt das Wählen und vas Nichtgewahltwerdendürfen für Männer von Ehre und Selbstgefühl eine so tiefe Kränkung und Zurücksetzung, daß wir nicht begreifen, wie dieser, den Menschen und Bürger gleich niederdrückende Umstanv nicht längst in einem Lande beseitigt sei, dessen Dynastie an die französische Nation und deren Siege auch auf dem Gebiete des politischen Lebens in Europa so lebhaft erinnert. Möchte die mit den Westmächten neugeschlossene Allianz auf den Flügeln des Südwestens die laue Luft heranbringen, um jenes Eis gar aufzuthauen, welches das stolze Schiff der Gleichberechtigung Aller noch verhindert in Schwedens glückliche Häfen einzulaufen? — Red.) Aus Mittelfranken. — (Corresv.) — Im März. Die in diesen Blättern (November-Heft v. Z.) auSgesprochne Befürchtung, es werde unsre Angelegenheit beim diesjährigen Landtag, trotz der Anwesenheit eines Israeliten, in der Kammer gar nicht zur Sprache kommen, scheint sich zu erfüllen. Man ist in maßgebenden jüdischen Kreisen ans Eonsequenz in dieselbe Sackgasse gerathen, in reelcher vor einiger Zeit die Gegenseite sich befand. Man hat eS bekanntlich, une auch in diesen Blättern, dem Herrn Minister- Präsidenten v. d. Pforvteu zum gerechten Borwurf gemacht, daß er zur Motiv»rung seiner Gesetzesvsrlage, welche uns das Wahlrecht zurBolkSvertretung nehmen sollte, ausführte: „Weil die Emanzipation nicht durchgegangen, und sie Juten also minder wichtige Rechte nicht besäßen, dürfe innen daS höchste Recht nicht belassen werden." Bei uns sagt man jetzt: „Weil die zweite Kammer unsre Emanzipation früher ausgesprochen, dürfe man um Kleineres nicht mehr petitloinren, und läßt daher Uever die bestehenden Ausu^hmSgesetze, wie das leldiae Matrikelwesen, unangefochten fortbestehen. Die hyper-orchodore Parthei jedoch, viel praktischer und rühriger, arbeitet ihrerseits an der Wegschaffung dieses UedelüanreS, und gelingt es dem bekannten deßhalb in München anwesend gewesenen R. Mendel auS Zell — wie renn wirkUch auch bereits auf seine Bemühungen hin von allerhöchster Stelle die Gutachten der KreiSregierungrn eingefordert wurden, die dem Vernehmen nach von Zeiten der k. Regierung von Mittelfrankrn sehr günstig ausgefallen —?twaS durchzusetzen, so wird er sich in der jüdischen Welt keine geringe Popularität erwerben, und wir selbst wollen es vergessen, daß die Panhei, deren Handlavger er ist, seiner Zeit sich amtlich gegen die Emanzipation erklärt hat.