Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 3 (März 1856)
- Date
- 1856-03-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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88 Rundschau. » AuS Oesterreich/ Anfang Mär; (Eorresp.) Vor allem erlaube ich mir, Ihnen einen Akt der Gerechtigkeit mitzutheilen. Sie werden aus de» verschiedenen Journalen von der Cristenz eines katholischen Vslkskalenl derS erfahren haben, herausgegeben von dem Geistlichen und k. k. Schutrath P. vr. Zarisch. In demselben befindet sich ein Bild, darstellend einen Fetischanbeter, einen protestantischen Geistlichen und einen Juden. Unter diesem Bilde heißt eS: »Alle diese haben Glauben, aber keine Religion.- Es wurden gegen den Herausgeber Preßprocesse erhoben, und in Folge davon Wurde Herr vr. Iarisch seines Amtes als k. k. schulrath enthoben. Der Preßprozeß aber nimmt seinen L"M weiter. Haben Sie bereits von dem kläglichen Ausgange der Orgel frage in Pesth gehört? Nach langen Kämpfen wurde beschlossen, daß an Wochentagen gespielt wird, aber an Sabbath- und Festtagen nicht.?arwriunt moates, näseetnr riäieulvs wns. Man beschäftigt sich auch bei Gelegenheit deS Aufbaues des neuen Tempels in Pesth mit der Frage, einen Prediger zu wählen. In Oesterreich ist es in dieser Beziehung in den jüdischen Gemeinden ein wahres Unglück. Die kleinste Gemeinde fordert das Außerordentlichste, und große Gemeinden wollen Wundcrgeschöpfe, wie sie nie eriftirt haben und nie sein werden. Das größte Uebel dabei ist, daß die Interessen der Gemeinde dabei vernachlässigt werten, und wenn am Ende eine Wahl getroffen wird, entspricht sie nicht dem, was man gewünscht und gewollt hat. — Ihr Aufsatz über die Wiener Predigerfrage hat in dieser Beziehung den Nagel auf den Kopf getroffen und wird nicht ohne Wirkung bleiben. Die Probepredigteu beginnen noch vor Pesach. — Auf dem politischen Gebiete ist so ziemlich alles wieder stille. Kein Lufthauch bewegt sich. Das Concordat tritt bis jetzt weit mehr gegen die auf, die dieses Werk gefördert haben, als gegen u».S Juden ' Das israelitische Taubstummen-Institut zu Wien hat endlich die Bewilligung erhalten, ein HauS kaufen zu dürfen. Auch die jüdische Kinderbewahranstalt will ein eigenes Haus kaufen. Möge es nicht an den Mitteln fehlen. — Bereits machen sich andere Journale^ darüber lustig, daß die meisten Beiträge zum Giebelbau der Stephanskirche in Wien den Juden zufließen. Das Unterrichtsministerium hat auf eine Anfrage der Pesther Universität erklärt, daß die Jude« zur Advocatenprüfung zugelassen werden können, da nichts imWeqe stehe.daßJudenAdookaten werden können. In Brünn stehet noch immer der Tempel und die Gemeinde ohne Prediger. ZnvifferentismuS auf der einen, überspannte Forderungen auf der anderen Seite, hindern die Lösung dieser Frage, die eben so wichtig für Brünn, als für das ganze Eronland Mähren ist. Der Rabbiner in NicolSburg hat nur kurze Zeit sein Amt geführt. In letzter Woche starb er. Er hatte sich in kurzer Zeit die Liebe seiner Gemeinde erworben, war einer der scharfsinnigsten Talmudisten, der seinen Vorgänge? auf diesem Gebiete weit überstrahlte. Dabei aber sehr tolerant. Er konnte den andern, die so viel mit „Scdsz und ^oskim« um sich warfen, alS Muster dienen. Möge ihm die Erde leicht sein! Baltimore. Der hiesige Har-sinai-Verein zahlt gegenwartig an 70 Familien, die durchweg vom besten Geiste für Veredlung deS JuventhumS beseelt find. Eine vom Herausgeber dieser Blätter (vr. Einhorn) ausgearbeitete neue G.-bels wurde von der Gemeinde einstimmig angenommen. Dieselbe umfaßt vorläufig bloS den öffentlichen Gottesdienst für den Sabbath und die drei Hauptfeste, und wird demnächst im Drucke erscheinen. (Zioai.)