Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 3 (März 1856)
- Date
- 1856-03-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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84 Rundschau. die denaalige wackere Hausverwalterin, Fräulein Johanna Präger, eine entsprechende Gehaltserhöhung eintreten lassen. — * AuS,Preußen haben wir nach dem Berichte der politischen Blätter, die erfreuliche Nachricht hier zu verzeichnen, daß Wagener und Consorten, diese Vorreiter einer blind zurückstürzenden Reaclion, mit ihrem Antrag auf Streichung des Artikel!Ä auS der so bedeutend in Abstrich gekommenen preußischen Verfassung, in der zweiten Kammer mit Eclat durchgefallen seien. Die Regierung hat dabei das naive Geständniß wiederholt, daß ihr zur Ausschließung der Juden äs taeto, dort wo sie will, die jetzigen Gesetze schon zareichten. Aus Ereuznack ist uns ein interessantes, trefflich abgefaßtes Memorandum des dortigen GemeindevorstandeS an die preußischen Kammern mitg-theilt worden, welches die Bitte um Abschaffung des. im aufgeklarten Preußealande zum Staunen aller Gebildeten noch in schönster Blüthe stehenden Ei demnach sogenannter »jüdischer Sitte« (mors Huäaloo) zum Gegenstände hat. Insbesondere aber hat unser Interesse in hohem Grade erweckt jeaerTheil der Auseinandersetzung, welchem darauf basirt ist, daß die betreffenden ceremoniellen Formeln und Formen, z. B. das Anlegen von „^Alita" und „T^üMa," wovon mau sich einen so großen Eindruck auf die Seele der schwörenden Israeliten verspricht, einem sehr großen Theile derselben völlig entfremdet, und daber viel eher die gegentheilige Wirkung, nämlich das Gemüth deS Schwörenden von der nöthigen feierlichen Stimmung abzuziehen, hervorzubringen geeignet seien. Wenn hier auch bloS ein historisches Faktum benützt ist, so zeigt doch dessen Aussprechung und Geltendmachung in anerkennungswürdiger Weise die vorurteilsfreie Gesinnung des GemeindevorstandeS zu Kreuznach, und wie derselbe erhaben sei über jene sich setbft täuschende Neuorthodorie, welche im Gefühle ihrer Kraftlosigkeit christlichen Behörden gegenüber dergleichen nicht auszusprechen wagen würde. Die betreffende Stelle, die wir ibres eben so wahren, als gut eingekleideten Inhaltes wegen uns gedrungen fühlen, hier in sit«r,3o wiederzugebe», lautet: -Wir können und wollen vor der traurigen Thatsache die Augen nicht verschließen, daß die Achtung vor der Heiligkeit deS EideS im Allgemeinen in der Neuzeit nicht zugenommen hat, und auf den ersten Blick möchte raS Begehren, die Formalitäten bei der Eidesleistung zu vermindern, nicht gerade zeitgemäß erscheinen Um für die Beantwortung unsrer Frage jedoch 5cn richtigen Standpunkt zu finden, ist es nöthig, sich die Bewegungen »» vergegenwärtigen, welche innerhalb des Judenthums seit einein hat' den Jahrhundert emgetteten sind. Wäbrend bei allen andern Confessionen die Nmaestaltungen einzig und allein in Veränderungen der dogmatischen Ansicht» ihren Grund haben, war dies im Iudenthum weniger der Fall. Der Gtaube ist gänzlich der alte geblieben und nnr das äußere religiöse Leben der Juden hat sich gänzlich verändert durch die gebesserte gesellschaftliche Stellung und das vorwiegende Eindringen der europäischen, germanischen Anschauungen. Damit hat auch alles seine Weihe verleren, was in dem religiöse» Leben der Juden nicht sowohl ReligionSrorschrift als altberaebraebte Gewohnheit und nationales Element war. Tie Gebräuche nun, welche bei