Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 3 (März 1856)
- Date
- 1856-03-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Erinnerung an Heine. 7S (Denkworte, S. 309): „Der Staat mag noch so keck seiü Haupt tragen und mit breiter Brust allen Stürmen trotzen, das Herz in der Brust und sogar das st^ ^aupt wird dennoch den Schmerz mitempfinden müssen, wenn"ver kleine Zeh an den Hühneraugen leidet — die Judenbeschränkungen sind solche H^uh neraügen"an ^)en deutschen Staatsfüßen." — Tief gedacht und von großartiger Auffassung zeugend ist die Stelle über das Buch H iob (S. 320): „Warum muß der Gerechte so viel leiden auf Erden? Warum muß Talent und Ehrlichkeit zu Grunde gehen, während der schwadronirende Hanswurst, der gewiß seine Augen nie durch arabische Manuskripte trüben mußte, (es ist dieß eine Anspielung auf unseren trefflichen, edlen, von Heine stets hoch gewürdigten gelehrten Landsmann Münk) stch recket aus den Pfühlen des Glucks. .. . Das Buch Hiob löst nicht die böse Frage. Im Gegentheil. dieses Buch , ist das Hohelied des Skepsis, und es zischen und pfeifen darin die entsetzlichen Schlangen ihr ewiges: „Warum?" — Wie kommt es, daß bei der Rückkehr aus Babyton die fromme Tempel-Archiv-Commisston, deren Präsident Esra war, jenes Buch in den Canon der heil. Schriften aufgenommen? Ich habe mir oft diese Frage gestellt. Nach meinem Vermuthen thaten solches jene gotterleuchteten Männer nicht aus Unverstand, sondern weil sie in ihrer hohen Weisheit wohl wußten^ daK menschlichen Natur tief begründet und berechtigt ist, und daß man ihn also nicht täppisch ganz unterdrücken, sondern nur heilen muß. Sie verfuhren bei dieser Cur ganz homöopathisch, durch das Gleiche auf das Gleiche wirkend, aber sie gaben keine homöopathisch kleine Dosts, sie steigerten dieselbe auf's Ungeheuerste, und eine solche überstarke Dosts von Zweifel ist das Buch Hiob; dieses Glft durste nicht fehlen in der Bibel, in der großen Haus-Apotheke der Menschheit. Ja, wie der Mensch, wenn er leidet, sich ausweinen muß, so muß er sich auch auszweifeln, wenn er sich grausam gekränkt fühlt in seinen Ansprüchen auf Lebensglück; und wie durch das heftige Weinen, so entsteht auch durch den höchsten Grad des Zweifels, den die Deutschen so richtig dle Verzweiflung nennen, die Arisis der moralischen Heilung. — Aber wohl demjenigen, der gesund ist und keiner Medizin bedarf." — Und nun hat er selbst vollendet der schmerzbeladene Dulder, selbst ein Hiob. Er hat in den Tagen seiner Freude und seines Glückes diesem erhabenen Vorbilde nicht geglichen; er hat unS mit feinen Hohn und Spott gegen alles Heilige wehe, sehr wehe gethan; denn obgleich er der Synagoge den Rücken zugewendet