Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 3 (März 1856)
- Date
- 1856-03-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Erinnerung an Heine. der römische Dichter darf jener Kunstler, der Sohn Amram's und der Hebamme Jochebed, sich rühmen, ein Monument errichtet zu haben, das alle Bildungen aus Erz überdauert!" — Mit messtanischen Blicken spricht er von der Ethik des Mösaismus (S. 90): „Die Caricatur wird einst schwinden; daS Echte, Unvergängliche und Wahre, nämlich die Sittlichkeit deS alten Zudenthums, wird in jenen Ländern eben so erfreulich blühen, wie einst am Jordan und auf den Höhen deS Libanons. Man hat keine Palmen unv Kameele nöthig, um gut zu sein; und Gutsein ist besser, denn Schönheit!" Mit einem tiefen Einblick in die Oekonomie des mosaischen Gesetzes spricht er (S. 91): „Judäa erschien mir immer wie ein Stück Occident, das sich mitten in den Orient verloren. Zn der That, mit seinem spiritualistischen Glauben, seinen strengen, keuschen, sogar ascetischen Sitten, kurz mit seiner abstracten Innerlichkeit, bildete dieses Land und sein Volk immer den sonderbarsten Gegensatz zu den Nachbarländern und Nachbarvölkern, die, den üppig buntesten und brünstigsten Narurculten huldigend, im bachantischen Sinnenjubel ihr Dasein verjubelten. Israel saß fromm unter seinem Feigenbaum und sang das Lob des unsichtbaren Gottes, und übte Tugend unv Gerechtigkeit, während in den Tempeln von Babel, Ninive, Sidon und TyruS jene blutigen und unzüchtigen Orgien gefeiert wurden, ob deren Beschreibung unS noch jetzt das Haar sich sträubt! Bedenkt man diese Umgebung, so kann man die frühe Größe Israels nicht genug bewundern. Von der Freiheitsliebe Israels, während nicht blos in seiner Umgebung, sondern bei allen Völkern des Altenhum^, sogar bei den philosophischen Griechen, die Sclaverei justificirt und in Blüthe stand, will ich gar nicht reden, um die Bibel nicht zu compromittiren bei den jetzigen Gewalthabern." — Ueber die edleren socialistischen Ideen des MosaiSmus äussert er sich eben so treffend als wahr (S. 92): „Statt mit dem Unmöglichen zu ringen, statt die Abschaffung des Eigenthums tollköpsig zu decretiren, erstrebte Moses nur die M oralisation desselben; er suchte das Eigenthum in Einklang zu bringen mit der Sittlichkeit, mit dem wahren Vernunftrecht, und solches bewirkte er durch die Einführung des Jubeljahres, wo jedes alisnirte Erbgut, welches bei einem ackerbauenden Volke immer Grundbesitz war, an den ursprünglichen Eiqenthümer zurückfiel, gleichviel in welcher Weise dasselbe veräußert worden. Diese Institution bildete den entschiedensten Gegensatz zu der „Verjährung" bei den Römern." — Ueber die Zuvenfrage sagt er in schneidender Wahrheit