Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 3 (März 1856)
- Date
- 1856-03-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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i« Konstantinopek. Lag hatte sich die Volksmenge im Quartier „Djubali," in der Nähe von Fanar. und hauptsächlich um ein jüdisches HauS zusammengerottet, wo das Verbrecheil sollte begangen worden sein. In „Djubali" wohnen nur 20 bis 30 Israeliten; aber am Abend und folgenden Morgen hielt die Volksmenge alle Juden, die hier vorbeigingen, um nach Stambul oder Balat zu gehen, an und mißhandelte dieselben; hauptsachlich hatten die jüdischen Arbeiter oder Lastträger, welche in den Waarenmagazinen in „Djubali" beschäftigt waren, viel zu leiden. Die Bevollmächtigten von »Balat" brachten mir diese traurige Nachricht, mir, den sie für ihren Freund und Vertheidiger zu halten gewohnt sind. „Freitag, am frühen Morgen benachrichtigte ich Herrn De (?a3tro hiervon; ich kannte seinen Einfluß bei hochstehenden Personen, und war sicher, daß ich nicht umsonst an seine Thüre klopfen würde. Dieser würdige Herr ging mit mir. An Ort und Stelle angelangt, fanden wir. nicht weit von der Brücke von Konstantinopel einen Volksauflauf, der aus Griechen, Armeniern und Türken bestand und alle vorbeigehenden Juden mißhandelte. Vor dem bestimmten Hause befand sich ein dichter Haufen; Alles schrie, schwur, fluchte; Manche waren mit Steinen bewaffnet und warfen sie von Zeit zu Zeit gegen das Haus; 10 Israeliten, Corfioten, waren mit Tagesanbruch erschienen, um ihren unglücklichen Glaubensbrüdern Hülfe zu leisten. Sie versuchten diese aufgeregte Menge zu beschwichtigen; einige „Kawas" bewachten die Thüren des Hauses und ließen Niemanden hinein noch heraus. Die heftig weinenden Frauen riefen uns aus dem Fenster zu, daß sechs Angehörige des Hauses seit gestern Abend eingesperrt, und sie mit ihren Kindern seit gestern Mittag ohne alle Nahrung wären! „Was anfangen? Da standen wir. Herr De Lastro und ich, im Anblicke dieses Unglücks, in fortdauernder Furcht vor noch größeren Unfällen. Was uns am Meisten in Schrecken versetzte, war das Zusammentreffen dieses Ereignisses mit dem Freitag, wo alle Büreaus der hohen Pforte geschlossen sind. Wer wird stark genug sein, um jeden Racheversuch von Seiten dieser so aufgeregten Menge zu verhindern oder zu dämpfen? Und sie war eS in einem solchen Grade, daß wir Furcht hatten, von der Stelle zu weichen, ohne für den Augenblick genügende Maßregeln getroffen zu haben. Der Kommandant des nächsten französischen Postens verdient den Dank der Israeliten. Angesichts der Gefahr schickte er eine Patrouille von sechs Mann den „KawaS" zu Hülfe, welche die Menge nicht zu beherrschen vermochten und bald war die Ordnung wieder hergestellt. (Der Name dieses Kommandanten ist >lr. I^atrobe.)