Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 3 (März 1856)
- Date
- 1856-03-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden u. die politische Reform daß Schwert gezogen haben, um einen nichtchristlichen Bundesgenossen vor Schmach und Unrecht zu bewahren, diesen in den neuen Erlassen seine Machtvollkommenheit schirmen und vor Demäthigung schützen, so können sie, die in ihren eigenen Landen den Juden eine vollkommene oder nahezu vollständige Gleichberechtigung gewähren, unmöglich ein Interesse dabei finden, daß denselben in der Türkei eine andere Behandlung zu Theil werde, als den Einwohnern christlichen Glaubens. Nur Rußland könnte eS mit Bitterkeit wahrnehmen, wenn den jüdischen Unterthanen seines angefeindeten Nachbars eine freundlichere Behandlung und Anerkennung zu Theil würde, als den Millionen zurückgesetzter und geknechteter Juden in seinen eigenen Staaten. Wir können aber nicht annehmen, daß die gegen Rußtand verbündeten Mächte ihm diese unangenehme Pille ersparen wollten; im Gegentheile haben wir alles Recht zu der Voraussetzung, daß die für Aufrechterhaltung der Europäischen Civilisation ausgezogenen Kämpfer auch Dieses zu den glänzenden Resultaten ihrer Siege zäh: len werden, wenn eine Sicherstellung der Rechte, deren Christen und Juden künftig in der Türkei sich erfreuen sollen, auf die russische Barbarei in Behandlung der Nichtgehörigen des herrschenden Glaubens herüberstrahlen und den Römisch-Aatholischen. Protestanten und Juden in Rußland ein besseres Loos bereiten würde. Wenn wir nichtsdestoweniger in den Berichten, welche bis jetzt über die neutürkischen Reformen an's Licht getreten sind, immer nur von Rechtserweiterungen lesen,die den dortigen Christen gesichert werden sollen, so dürfen wir annehmen, daß die Westmächte mit dieser Bezeichnung Rußland* gegenüber nur auf die Mission hinweisen wollen, welche auch sie im Hinblicke auf die Verursachung des Krieges sich gestellt, den bedrängten Brüdern im Oriente beizustehen und sie in Zukunft vor Willkür und Bedrückung definitiv zu sichern. Gewiß aber darf von der Humanität der Verbündeten nicht präsumirt werden, daß in der Minderheit der türkischen Juden ein Grund zu deren Ausschließung liege. Freilich kann das Judenthum auf keine irdische Macht hinweisen, welche es, als zu seinem Bekenntnisse gehörig. auS sich selbst heraus vertrete; wir sind eine Heerde ohne sichtbares