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Der israelitische Volkslehrer · 1856-02-01 · Heft 2 (Februar 1856) · page 28

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
5 (1856)
Issue
Heft 2 (Februar 1856)
Date
1856-02-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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SS Skmdschau. Einen sonderbaren Contrast zu diesem Umschwünge im Kaiserstaate bilden die Verhältnisse in Preußen. Der Staat der Intelligenz hat fein Maulheldenthum in letzter Zeit auf politischem Gebiete gezeigt. Hand in Hand damit gehet der Antrag des Abgeordneten Wagen er in Betreff der Streichung des Artikels 12. der Verfassung. Ein Antrag, der bereits, wie ich der verehrlichen Areuzzeitung entnehme, von der betreffenden Commissiou angenommen wurde (?). « Die schärfste Spitze, die daS Concordat hatte, wurde bereits von Seiten der Regierung abgebrochen. Ich hatte gefürchtet, die Herren winden genug klug und berechnend sein und einzelnwcise das Netz spinnen. Doch das Uebermaß der Freude scheint einige Bischöfe ganz verwirrt zu haben. Zu früh rückten fie mit ihren Ansichten und Absichten heraus, und die Regierung hat nicht gesäumt diese Ausschreitungen auf daS gehörige Maß zurückzuführen. Hoffen wir also, daß diese Bevorzugung der katholischen Kirche uns nicht schaden werde. Freilich fürchten manche, eS werde die jüdische Klerisei jetzt auch die „Krallen" ausstrecken. Es ist auch nicht zu leugnen, daß die Behörden nicht ungerne eine jüdische Oberkirchen-Behörde sehen möchten Wenn nämlich über jüdische CultuSangelegenheiten eine Frage beim Ministerium entstehet, so fragt man sich immer, wen man fragen soll. Wäre eine Kirchenbehörde da, so wäre dieß ein einfacher amtlicher Weg. Indessen wir Juden sind nicht dazu gemacht eine Hierarchie zu dulden. Es ist freilich arg, wenn selbst Xorscks von sich sagen: V^N^ NNj?N ^2 ("die Gemeinde bestehe nur äüS Heiligen;») aber eS hat auch dieses seine Vortheile. Es schützt das Judenthum vor Stagnation. — Wenn ich nun von deu äußeren Verhältnissen auf die inneren übergehe, so muß ich vor allem von der Residenz sprechen. In Wien wird jetzt eine Frage besonders debattirt; die Regierung wünscht nämlich, daß die jüdische CuttuS-Gemeinde eine „israelitische" Volksschule ins Leben rufe. Sie begründet dieses Verlangen, das übrigens seit Jahren von der Regierung gewünscht wird, dadurch, daß der Unterricht in den katholischen Volksschulen vollständig katholisch sei. ES wäre dieses allerdings ein sehr gutes Motiv; jedoch stehet eine andere sociale Frage damit in Verbindung. Bei den Vorzügen, die notorisch die jüdische Zugend hat, haften an ihr doch gewisse Schattenseiten, namentlich was das Aeußere betrifft. Ich habe dabei besonders den großen Theil der iSraeUtischen Jugend im Auge, der aus den Krouländern nach Wien kömmt. Hat man eine eigene Judenschnle, ss wuchern diese Fehler fort, während fie jetzt sich allmälig abschleifen. Ein an« dere Frage knüpft sich daran, ob die Forderungen sich nicht dann steigern »nd man die Juden dazu anhalten werde, auch eine eigene Realschule, »in eigenes Gymnasium zu haben, und somit einen vollständigen Separatismus anbahnen werde. — Ueber die Predigerfrage ist wieder Alles stille; muß doch auch der Bau des Tempels der Winterzeit wegen fiftirt werden! —

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