Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1856)
- Date
- 1856-02-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Line neue »Somleh^ der Syrer und dann der Römer: ohne die Rabbinen es gänzlich zu Grunde gegangen wäre." Diesen Satz führt der Redner vortrefflich auS. „Die Rabbinen arbeiteten gleichzeitig dahin, nicht nur die alten Religionsquellen zu erhalten und vor Entstellung zu schüzzen, sondern ermunterten auch zu anderen Studien, welche den Geist aufhellen, und zur Theilnahme an den Fortschritten aller der Völker, in deren Mitte die Israeliten Wohnsitze erlangten." Der Redner verweist hierbei auf die großen Literaturwerke, welche diese Thatsache bezeugen, sowie auf die mannigfachen Fortschritte, welche man den Juden verdankt. (Ob die Algebra dahin gehöre, wollen wir hier nicht erörtern.) Es sei ein Jrrthum, daß man jeden hebräischen Schriftsteller mit dem Namen Rabbiner bezeichne, obwohl eS insofern gelten mag, als sonst nur solche, die rabbinische Studien gemacht hatten, den Wissenschaften oblagen, weil anderweitige Laufbahnen den Juden versperrt waren; die Gegenwart beweise, daß man auch auf anderem Wege zu Wissenschast und Kunst gelangen könne, und seit dem Eintritt der freieren Richtung betreten die eigentlichen Rabbiner ebenfalls nur das ihnen wesentliche Gebiet der theologischen Studien. „Den Rabbinen verdanken die Israeliten die wunderbare Ausdauer in den furchtbaren Verfolgungen, Beraubungen. Mißhandlungen und Schreckensanftritten aller Art, denen sie viele Jahrhunderte hindurch ausgesetzt waren. Sie gaben das Beispiel der höchsten Tugenden, der hingebendsten Frömmigkeit, der größten Uneigennützigkeit, der seltensten Sittenreinheit, der tiefken Demuth und der inneren, selten gestörten Einigkeit." »Die Rabbiner blieben sich nicht überall gleich, die spanischen thaten es den übrigen zuvor; aber alle sorgten für den Dolksunterricht, keiner verbot dem Volke das Lesen der Bibel (!), sie waren nur die Erklärer. Sie mischten sich nicht in Familien-Angelegenheiten, sie hielten die Freiheit des Unterrichts aufrecht, sie widersetzten sich sogar der Anmaßung eines Rabbinen des 16. Jahrhunderts, welcher das Patriarchat wieder herzustellen gedachte. — Die Rabbinen blieben nur Lehrer, frei vom Volke gewählt." »Der Rabbinismus geriech übrigens in Gefahren, und hatte schwere Kämpfe zu bestehen mit der aristotelischen Vhilosovhie, besonders seit dem 12. Jahrhundert; er warv starrer gegen den Unglauben und zog sich in eine größere Strenge zurück, den man mit Unrecht mit dem Namen Obscurantismus bezeichnet. Sie bildeten nur das stabile Element gegenüber der unaufhaltsamen Bewegung. AuS diesen Kämpfen ist zuletzt das Streben hervorgegangen, die Rabbinen selbst für die Bewegung zu gewinnen.