Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 5 (1856)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1856)
- Date
- 1856-02-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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40 Rede des Grafen Mol6 „Indem wir uns nun auf's Neue, meine Herren, in dieser Versammlung befinden, erneuern sich in uns dieselben Eindrücke und Gedanken, welche uns-bewegten, als wir uns zum erstenmal hier befanden. In der That, Wer sollte nicht von Erstaunen ergriffen werden, beim Anblicke dieser Vereinigung erleuchteter Männer, erwählt unter den Nachkommen des ältesten Volkes der Erde! — Wenn Jemand aus den entschwundenen Jahrhunderten wieder in's Leben zurückkehrte, und ein solch überraschendes Schauspiel seinen Blicken sich darböte, müßte er sich nicht in die Mauern der heiligen Stadt versetzt glauben, oder annehmen, daß eine furchtbare Umwälzung die menschlichen Dinge bis in ihre tiefsten Grundfesten erneuert habe? — Und er würde sich nicht täuschen, meine Herren; erstehen ja soeben, nachdem wir aus einer Revolution, welche die Religionen, die Throne und die Reiche zu verschlingen drohte, die Altäre und die Throne von allen Seiten^wieder, um den Erdball zu schüzzen*). Eine wahnsinnige Menge hatte versucht, Alles vom Grunde aus zu zerstören; ein einziger Mann ist gekommen und hat Äl- ^les wieder hergestellt. Die ganze Welt und die ursprüngliche Vergangenheit boten sich seinem Blicke dar — da sah er eine, über d^e Oberfläche des Erdkreises hin zerstreuete Nation, welche berühmter erscheint durch ihre Erniedrigung, als kein Volk je war in seiner Größe. Es erschien billig, daß er sich mit deren Loose beschästige, und man durfte erwarten, daß dieselben Juden, welche in den Erinnerungen der Menschen eine so bedeutende Stelle einnehmen, die Aufmerksamkeit eines Fürsten fesseln würden, welcher bestimmt ist, ihr Gedächtniß für immer zu erfüllen.« — *) Wir müssen hier, weuu der Satz logisch mit dem vorigen zusammenhängen soll, einen Gedanken ergänzen, welche» der edle Graf verschweigt. Wenn nämlich die Kaiserliche Restauration die Religionen wieder herstellte, so war doch die Freiheit, das Recht, welches diesen Religionen allen gleichmäßig erkämpft wurde, eine heilsame Erbschan jener großen StaatS- Umwälzung, ohne welche wohl nie die betreffende Versammlung der Notabel» von einer christlichen Regierung wäre berufen worden. — »umert. v. Red.