Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1858)
- Date
- 1858-10-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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S04 , SS Kleinigkeiten gestatten oft einen Einblick in Richtungen der Zeit, daß ihre charakteristische Bedeutung nicht übersehen werden darf und es angemessen ist, sie durch eine kurze Besprechung festzuhalten. Bon dieser Gattung las ich im letzten Iulibefte des Jeschuruü ein Gutachten, das die Monotonie der in diesem Blatte herrschenden raffinirten Echauffements auf eine scharf kennzeichnende Weise unterbricht. Das Gutachten handelt über die Bepflanzunz der Friedhöfe und Gräber, ergeht sich in den gewöhnlichen Tiraden, es sei wider das Religionsgesetz, zu dem diese Leute Alles stempeln, ja es sei gegen den ihnen noch höher stehende» Gebrauch, wie er sich in trüben Zeiten gebildet, und sei Nachahmung fremder Sitte. Ueber diese Punkte zu kämpfen ist eben so überflüssig wie vergeblich, überflüssig für jeden Einsichtsvollen, vergeblich für Jeden,'der sich gewaltsam selbst bornirt. Wenn solches flache Gerede nur Mitleiden erregt, so muß jedoch die absichtliche Verdrehung Entrüstung hervorrufen. Herr Lehmann nämlich besorgt, man möchte ihm den Satz in Joreh Deah e. 368, 2. entgegenstellen: niön VN'NVG vx>H „Die Früchte der Bäume, welche matt auf dem Friedhofe Pflanzt, dürfen gepflückt werden", und die Commentare sprechen von dem Gebrauche, diese Früchte zu verkaufen und den Erlös dem Wächter des Friedhofes zu schenken, theilS als Almosen zu verwenden. Was thut Herr L., mit Zustimmung des Herrn Hirsch, der das Gutachten zur „Klarmachung" abdruckt? Er deujet dies stillschweigend dahin um, es sei hier davon die Red", wenn „rohe Gewalt" den Friedhof bepflanze. Rohe Gewalt ist jedoch nur im Verfahren des Hrn. nicht aber in dem hierbesprochenen der Besitzer des Friedhofs. Nur in einem früheren Z ist von einer solchen die Rede, wenn der Friedhos zugleich als Weideplatz benutzt wird; diese Entwen ^ng wird gewiß Jeder als ftevelbaft betrachten. Was sagen Sie zu diesem Pröbcheu neu-orthodoxer Schulchan-aruch-Exegese? Ehedem war theilweise Starrheit naturgemäß erzeugt; darin war Kraft, Redlichkeit und gesundes Gemüth. Gegenwärtig soll volle Erstarrung durch