Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1858)
- Date
- 1858-10-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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des Rabbiners in unserer Zeit. ZS7 dem kaum mehr eine Frage zu stellen, Heder macht sich, wie man zu sagen pflegt, feinen eignen inp?n5>?V, hält sich in dem einen Punkt noch an Sitte und Tradition, emancipirt sich in vielen andern wieder davon, setzt sich über feine Sprüche und Widersprüche leicht hinweg, findet sich mit seinem religiösen Gewissen ab, aber — er fragt nicht mehr oder doch seltner an; das „Paskenen" ist ebenfalls keine Funktion mehr, kein Bedürfniß, das drängt, keine Thätigkeit, wegen der man einen Rabbinen hauptsächlich anstellt. Und doch nehmen die Gemeinden nach wie vor Rabbinen auf und sind sie denselben, wie die Erfahrung lehrt, ein Bedürfniß? Worin liegt das Bedürfniß? worin der Schwerpunkt ihrer jetzigen Thätigkeit? Ich dächte, die Antwort wäre bei nur einiger Logik und — Wahrheitsliebe nicht schwer, käme wie von selbst. Das Bedürfniß ist dasselbe, jetzt wie ehedem, es muß ein Mann von theologischem Wissen, von Tüchtigkeit, Biederkeit und Energie an der Spitze der Gemeinde stehen, der sie in Allem vertritt, beräth und zusammenhält, in welchem sie jetzt noch eine Einheit und Geschlossenheit bildet, versteht sich in so weit nur, als dabei religiöse Tendenzen und nicht materielle Verhältnisse im Spiele und zu verfolgen sind. Seine Thätigkeit wird sich auf all das erstrecken dürfen und müssen, was die religiöse Gemeinschaft bekundet , belebt uud bestärkt. Da ist denn vor Allem das Bedürfniß in den Vordergrund getreten, die Rabbinen sollen Volkslehrer, Prediger fein — gewiß ein berechtigtes und tiefes, ein Centralpunkt ihrer Wirksamkeit. Wer uns nun aber nur darauf allein hinweisen und beschränken und sagen wollte, das sei die Funktion, die in der alten Bedeutung des Wortes liegt, der würde vergessen, daß die Predigt ebenfalls etwas nagelneues ist, eiu Stück der Ent Wicklung, die über uns gekommen, der würde ferner vergessen, daß die Predigt bei unserm Gottesdienste nie eine eonäitio swe qua non werden kann, wie z. B. beim protestantischen Gottesdienst. Der Rabbiner soll Prediger, möglichst guter Prediger sein, aber er soll und kann in dieser Funktion nicht aufgehen, es ist keine Anmaßung, daß er mehr sein will, daß er an der Spitze aller religiösen Angelegenheiten