Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 7 (1858)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1858)
- Date
- 1858-10-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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2^6 Ueber die Stellung und die Funktionen wenn auch nicht dem Namen, so doch dsr That nach die größte entschiedenste Einwirkung. Das Rabbinenthum war keine Hierarchie-— nein, aber es war mehr als das, es war das Factotum, es war die Seele und der Nerv des Iudenthums. Was also obige Phrase bedeuten soll, weiß ich nicht herauszufinden und — vielleicht auch der Schreiber derselben selbst nicht. Und was hat nun die Entwicklung, und was hat die Zeitrichtung an diesem Institut und somit auch an dem Amte des Rabbiners geändert? Die Veränderung liegt wieder dem Geschichtskwdigen offen genug da und auch die Berechtigung zu dieser Veränderung ist nicht weit zu suchen. Die jüdischen Gemeinden haben feit Anfang dieses Jahrhunderts mehr und mehr einen andern Schwerpunkt, einen andern Charakter und eine andere Bedeutung bekommen. Die Schranken der absoluten Abgeschlossenheit haben sich aufgethan, ich brauche sie nicht aufzuführen durch welche Borgänge, in Folge welcher^ großen Revolution und Bewegung. Kurz, wir wissen es, daß sie sich zuerst langsam und dann rapide aufgethan, daß wir sind hineingelassen, hineingezogen, ja hineingerissen worden in den Wirbel der Geschichte, und es war vor Allem eine naturliche Folge dieses Prozesses, daß ma^ uns in Allem, was zur eigentlichnr^Rechtssphäre geHort, auf die in den verschiedenen Ländern geltenden Gesetze hinwies, das mosaische und rabbinische Recht mehr und mehr abrogirt und somit namentlich den VSVO Mi antiquirt. Wer in Mein und Dein eine Klage, elne Entscheidung zu suchen hat, der wendet sich nicht mehr an den Rabbinen, sondern an die ordentlichen Gerichte, eben so ists in Ehesachen und in hunvert andern Dingen. Der Entwicklung^ und Bildungsprozeß hat aber noch-tiefer hineingegriffen und hineingeschnitten in das Leben der Juden und nicht bloß äußerlich dem Standpunkt und den Verhältnissen verrückt, sondern auch-innerlich an die Gesinnungen und Ansichtender bei weitem größten Masse, namentlich in Deutschland daS Messer angelegt, dieselben verändert, oft selbst aus Rand und und Band gebracht. Hatte man früherhin gar viel bei dea Rabbinen anzufragen und Bescheid zu holen, so hat man seit-